Dein EKG kurz erklärt: Ein EKG zeichnet die elektrische Aktivität deines Herzens auf. Die wichtigsten Anteile sind die P-Welle (Vorhoferregung), der QRS-Komplex (Hauptkammeraktivierung) und die T-Welle (Erholungsphase). Ein normaler Herzrhythmus liegt zwischen 60 und 100 Schlägen pro Minute.
Was ist ein EKG?
EKG steht für Elektrokardiogramm. Das ist eine Untersuchung, bei der die elektrische Aktivität des Herzens gemessen und als Kurve aufgezeichnet wird. Bei jedem Herzschlag entsteht ein elektrisches Signal, das sich über die Herzmuskulatur ausbreitet und so die Pumpbewegung auslöst.
Dieses elektrische Signal wird über Elektroden an der Hautoberfläche abgeleitet und von einem Gerät aufgezeichnet. Die Untersuchung ist schmerzfrei, dauert nur wenige Minuten und liefert dem Arzt wichtige Informationen über die Herzfunktion.
Ein EKG kann Hinweise auf Rhythmusstörungen, Durchblutungsstörungen des Herzmuskels, vergrößerte Herzkammern und andere Herzprobleme geben. Es ist eines der grundlegendsten und aussagekräftigsten Werkzeuge in der Kardiologie.
Der Unterschied zwischen EKG und Echokardiogramm: Beim EKG wird die elektrische Aktivität des Herzens gemessen. Beim Echokardiogramm (Herzultraschall) werden mit Schallwellen Bilder vom Herzen erzeugt. Beide Untersuchungen ergänzen sich, messen aber völlig unterschiedliche Dinge.
Die verschiedenen EKG-Typen
Es gibt verschiedene Arten von EKG-Untersuchungen, die je nach Fragestellung eingesetzt werden:
Ruhe-EKG: Das Ruhe-EKG wird durchgeführt, während du entspannt liegst oder sitzt. Es ist die schnellste und einfachste Form der EKG-Untersuchung und dauert nur etwa eine Minute. Ein Ruhe-EKG kann Hinweise auf akute Durchblutungsstörungen, Herzrhythmusstörungen und andere Probleme geben, die sich im Ruhezustand zeigen.
Belastungs-EKG: Beim Belastungs-EKG wirst du auf einem Ergometer (Fahrrad oder Laufband) stufenweise körperlich belastet, während kontinuierlich ein EKG aufgezeichnet wird. Die Belastung wird dabei langsam gesteigert, bis eine bestimmte Herzfrequenz erreicht ist oder Beschwerden auftreten. Ein Belastungs-EKG kann Hinweise auf Durchblutungsstörungen geben, die unter Belastung auftreten, aber im Ruhezustand nicht sichtbar sind. Aussagen über die körperliche Leistungsfähigkeit und den Blutdruckverhalten unter Belastung sind ebenfalls möglich.
Langzeit-EKG: Beim Langzeit-EKG trägst du ein kleines Gerät über 24 Stunden oder länger, das kontinuierlich deinen Herzrhythmus aufzeichnet. So können Rhythmusstörungen erkannt werden, die nur gelegentlich auftreten und bei einem kurzen Ruhe-EKG nicht erfasst werden.
Die einzelnen Anteile des EKG verstehen
Ein normaler EKG-Abschnitt besteht aus mehreren Wellen und Strecken, die jeweils bestimmte Phasen der Herzerregung darstellen:
Die P-Welle: Die P-Welle ist die erste kleine Welle im EKG. Sie entsteht, wenn die Vorhöfe des Herzens erregt werden. Die Vorhöfe sind die beiden oberen Herzkammern, die das Blut aus den Venen aufnehmen und in die unteren Herzkammern weiterpumpen. Eine normale P-Welle ist abgerundet und dauert höchstens 0,12 Sekunden. Wenn die P-Welle unnormal geformt oder zu hoch ist, kann das auf eine Vergrößerung der Vorhöfe hinweisen.
Die PQ-Strecke: Die PQ-Strecke ist die Linie zwischen dem Ende der P-Welle und dem Beginn des QRS-Komplexes. Sie stellt die Zeit dar, in der die elektrische Erregung von den Vorhöfen zu den Herzkammern weitergeleitet wird. Diese Strecke sollte flach und isoelektrisch verlaufen. Eine verlängerte PQ-Zeit kann auf eine Störung der Erregungsleitung hinweisen.
Der QRS-Komplex: Der QRS-Komplex ist die markanteste Struktur im EKG. Er besteht aus drei Teilen: einer kleinen Q-Welle (nach unten), einer großen R-Welle (nach oben) und einer kleinen S-Welle (wieder nach unten). Der QRS-Komplex zeigt die Erregung der Herzkammern, also der beiden unteren Hauptkammern, die das Blut in den Körper und die Lunge pumpen. Ein normaler QRS-Komplex dauert zwischen 0,06 und 0,10 Sekunden. Ein breiter QRS-Komplex kann auf eine Störung in den Herzkammern hinweisen.
Die ST-Strecke: Die ST-Strecke verbindet den QRS-Komplex mit der T-Welle. Sie stellt die Phase dar, in der die Herzkammern vollständig erregt sind. Im Idealfall verläuft die ST-Strecke auf der Nulllinie. Hebungen oder Senkungen der ST-Strecke können Hinweise auf eine Durchblutungsstörung des Herzmuskels sein, etwa bei einem Herzinfarkt oder einer Angina Pectoris.
Die T-Welle: Die T-Welle folgt auf die ST-Strecke und stellt die Erholungsphase der Herzkammern dar. Die Muskulatur wird wieder in den Ruhezustand zurückversetzt. Eine normale T-Welle ist asymmetrisch und nach oben gerichtet (positiv). Abnorme T-Wellen können auf verschiedene Probleme hinweisen, etwa einen Kaliummangel, Durchblutungsstörungen oder die Wirkung bestimmter Medikamente.
Der normale Herzrhythmus
Der normale Herzrhythmus wird als Sinusrhythmus bezeichnet. Das bedeutet, dass der natürliche Schrittmacher des Herzens, der Sinusknoten, den Takt vorgibt. Beim Sinusrhythmus sind alle EKG-Anteile in der richtigen Reihenfolge und mit normaler Dauer vorhanden.
| Parameter | Normalwert |
|---|---|
| Herzfrequenz | 60 - 100 Schläge pro Minute |
| P-Welle | Maximal 0,12 Sekunden |
| PQ-Zeit | 0,12 - 0,20 Sekunden |
| QRS-Komplex | 0,06 - 0,10 Sekunden |
| QT-Zeit | Abhängig von der Herzfrequenz (korrigiert unter 450 ms) |
Herzfrequenz unter 60: Eine Herzfrequenz unter 60 Schlägen pro Minute wird als Bradykardie bezeichnet. Das kann bei Sportlern völlig normal sein, kann aber auch auf eine Schilddrüsenunterfunktion, bestimmte Medikamente oder eine Erkrankung des Reizleitungssystems hinweisen.
Herzfrequenz über 100: Eine Herzfrequenz über 100 Schlägen pro Minute wird als Tachykardie bezeichnet. Das kann nach körperlicher Anstrengung, bei Aufregung oder Fieber völlig normal sein. Wenn die hohe Herzfrequenz aber in Ruhe auftritt, kann das auf eine Schilddrüsenüberfunktion, eine Anämie, Flüssigkeitsmangel oder eine Herzrhythmusstörung hinweisen.
Häufige EKG-Befunde und ihre Bedeutung
In EKG-Befunden tauchen verschiedene Begriffe und Abkürzungen auf. Hier sind die wichtigsten erklärt:
Vorhofflimmern (absolute Arrhythmie): Bei Vorhofflimmern schlagen die Vorhöfe nicht mehr koordiniert, sondern unregelmäßig und oft zu schnell. Im EKG fehlt die regelmäßige P-Welle, der QRS-Komplex kommt unregelmäßig, und die Grundlinie kann leicht wellig sein. Vorhofflimmern ist die häufigste Herzrhythmusstörung und erhöht das Risiko für Schlaganfälle, weil sich Blut in den Vorhöfen stauen und Gerinnsel bilden können.
Extrasystolen: Extrasystolen sind zusätzliche Herzschläge, die vor dem nächsten normalen Schlag kommen. Sie fühlen sich oft wie ein Stolpern oder ein Überspringen des Herzens an. Im EKG sieht man eine zusätzliche QRS-Welle, die nicht an der erwarteten Stelle kommt. Extrasystolen sind meist harmlos, können aber bei häufigem Auftreten oder bestimmten Herzerkrankungen behandlungsbedürftig sein.
ST-Hebung oder ST-Senkung: Eine ST-Hebung kann ein Hinweis auf einen akuten Herzinfarkt sein. Dabei ist die ST-Strecke über die Nulllinie angehoben. Eine ST-Senkung, also eine Absenkung der ST-Strecke unter die Nulllinie, kann auf eine Durchblutungsstörung des Herzmuskels hinweisen, die sich unter Belastung bemerkbar macht (koronare Herzkrankheit oder Angina Pectoris).
Links- oder Rechtsschenkelblock: Bei einem Schenkelblock ist die Erregungsleitung in einem der beiden Hauptschenkel des Erregungsleitungssystems blockiert. Das führt zu einem verbreiterten QRS-Komplex im EKG. Ein vollständiger Linksschenkelblock kann ein Hinweis auf eine Herzerkrankung sein und sollte kardiologisch abgeklärt werden.
Wichtig: Ein EKG-Befund allein reicht nicht für eine Diagnose. Der Arzt beurteilt das EKG immer im Zusammenhang mit deinen Beschwerden, deiner Krankengeschichte und weiteren Untersuchungen wie Blutwerten, Herzultraschall oder einem Belastungs-EKG.
Was bedeutet es, wenn das EKG unauffällig ist?
Wenn in deinem Befund steht, dass das EKG unauffällig oder unremarkable ist, bedeutet das, dass keine offensichtlichen Zeichen für eine Herzrhythmusstörung, eine akute Durchblutungsstörung oder eine Erregungsleitungsstörung gefunden wurden.
Das ist grundsätzlich eine gute Nachricht. Allerdings bedeutet ein unauffälliges Ruhe-EKG nicht, dass keine Herzerkrankung vorliegt. Manche Probleme zeigen sich erst unter Belastung oder treten nur gelegentlich auf. Wenn du weiterhin Beschwerden hast, besprich mit deinem Arzt, ob weitere Untersuchungen sinnvoll sind.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Das EKG misst die elektrische Aktivität des Herzens und zeichnet sie als Kurve auf
- Die P-Welle zeigt die Erregung der Vorhöfe, der QRS-Komplex die Erregung der Hauptkammern
- Die T-Welle stellt die Erholungsphase der Herzkammern dar
- Ein normaler Herzrhythmus liegt zwischen 60 und 100 Schlägen pro Minute
- Vorhofflimmern, Extrasystolen und ST-Veränderungen sind häufige EKG-Befunde
- Ein unauffälliges EKG schließt nicht alle Herzerkrankungen aus
Häufige Fragen
Was ist der Unterschied zwischen einem Ruhe-EKG und einem Belastungs-EKG?
Das Ruhe-EKG wird im Liegen oder Sitzen bei entspanntem Körper durchgeführt und zeigt die Herzaktivität in Ruhe. Das Belastungs-EKG wird unter körperlicher Anstrengung auf einem Ergometer aufgezeichnet und kann Durchblutungsstörungen aufdecken, die im Ruhezustand nicht sichtbar sind.
Mein EKG-Bericht erwähnt eine PQ-Verlängerung. Was bedeutet das?
Eine PQ-Verlängerung bedeutet, dass die Zeit zwischen der Erregung der Vorhöfe und der Erregung der Herzkammern verlängert ist. Das kann harmlos sein, aber auch auf eine Störung der Erregungsleitung hinweisen. Dein Arzt wird entscheiden, ob das untersuchungsbedürftig ist.
Kann ein EKG einen Herzinfarkt zeigen?
Ja, ein EKG kann Hinweise auf einen akuten oder früheren Herzinfarkt geben. Typische Zeichen sind ST-Hebungen, Q-Zacken oder andere Veränderungen. Bei einem Verdacht auf Herzinfarkt wird ein EKG sofort angefertigt und befundet, weil jede Minute zählt.
Ich spüre mein Herz stolpern. Muss ich mir Sorgen machen?
Herzstolpern (Extrasystolen) ist oft harmlos und wird durch Koffein, Stress, Schlafmangel oder Alkohol begünstigt. Wenn die Beschwerden aber häufig auftreten, sehr belastend sind oder mit Schwindel oder Ohnmacht einhergehen, solltest du das ärztlich abklären lassen.
Was ist ein Langzeit-EKG?
Beim Langzeit-EKG trägst du ein kleines Aufnahmegerät über 24 Stunden oder länger. Es zeichnet deinen Herzrhythmus kontinuierlich auf, sodass auch Rhythmusstörungen erkannt werden können, die nur gelegentlich auftreten.