Bei Verdacht auf Herzinfarkt sofort 112 rufen! Jede Minute zählt, wenn ein Herzinfarkt vorliegt. Warte nicht ab, ob die Beschwerden von selbst vergehen. Lieber einmal zu oft als einmal zu wenig den Notruf wählen.
Das Wichtigste zuerst: Typische Herzinfarkt-Symptome sind starke Brustschmerzen oder Druckgefühl im Brustkorb, das in den linken Arm, den Rücken oder den Kiefer ausstrahlen kann. Begleitsymptome können Atemnot, kalter Schweiß, Übelkeit und ein starkes Angstgefühl sein. Bei Frauen sind die Symptome oft weniger typisch.
Was ist ein Herzinfarkt?
Ein Herzinfarkt (medizinisch Myokardinfarkt) entsteht, wenn ein Herzkranzgefäß (Koronargefäß) plötzlich verschlossen wird. Die Herzkranzgefäße sind die Arterien, die den Herzmuskel mit Blut und damit mit Sauerstoff versorgen. Wenn eines dieser Gefäße durch ein Blutgerinnsel verstopft wird, bekommt der Teil des Herzmuskels, der von diesem Gefäß versorgt wird, kein Blut mehr.
Ohne Sauerstoff stirbt das Herzmuskelgewebe innerhalb weniger Stunden ab. Je länger die Durchblutungsstörung dauert, desto mehr Herzmuskelgewebe wird dauerhaft geschädigt. Deshalb ist es so wichtig, bei einem Herzinfarkt schnell medizinische Hilfe zu bekommen.
Die häufigste Ursache für einen Herzinfarkt ist die Koronare Herzkrankheit (KHK), bei der sich Ablagerungen (Plaques) in den Herzkranzgefäßen gebildet haben. Wenn eine solche Plaque aufbricht, kann sich daran ein Blutgerinnsel bilden, das das Gefäß vollständig verschließt.
Herzinfarkt vs. Herzstillstand: Ein Herzinfarkt ist ein Verschluss eines Herzkranzgefäßes, bei dem ein Teil des Herzmuskels abstirbt. Ein Herzstillstand bedeutet, dass das Herz aufhört zu schlagen und kein Blut mehr durch den Körper gepumpt wird. Ein Herzinfarkt kann zu einem Herzstillstand führen, aber nicht jeder Herzinfarkt endet mit einem Herzstillstand.
Typische Symptome eines Herzinfarkts
Die Symptome eines Herzinfarkts können von Mensch zu Mensch unterschiedlich sein. Es gibt aber klassische Anzeichen, die bei vielen Betroffenen auftreten:
Brustschmerzen oder Druckgefühl: Das häufigste Symptom ist ein starkes Druckgefühl, Engegefühl oder Brennen im Brustkorb, oft hinter dem Brustbein. Die Schmerzen werden oft als besonders intensiv beschrieben, schlimmer als normale Brustschmerzen. Das Gefühl kann anhalten oder in Wellen kommen und wiedergehen.
Ausstrahlung in andere Körperregionen: Typisch ist, dass die Schmerzen oder das Druckgefühl sich ausbreiten. Häufig strahlt der Schmerz in den linken Arm (manchmal auch in beide Arme), in den Rücken, in den Kiefer oder in den Oberbauch. Manche Menschen beschreiben eher ein Spannungsgefühl als stechende Schmerzen.
Atemnot: Viele Menschen mit Herzinfarkt haben das Gefühl, nicht genug Luft zu bekommen. Die Atemnot kann mit oder ohne Brustschmerzen auftreten und unterschiedlich stark sein.
Kalte Schweißausbrüche: Ein plötzlicher kalter Schweißausbruch, oft begleitet von Blässe, ist ein typisches Warnsignal. Die Haut fühlt sich klamm und kalt an.
Übelkeit und Erbrechen: Gerade bei Frauen und bei älteren Menschen tritt häufig Übelkeit auf, manchmal mit Erbrechen. Das kann fälschlicherweise als Magen-Darm-Problem gedeutet werden.
Starkes Angstgefühl: Viele Menschen haben während eines Herzinfarkts ein intensives Angstgefühl, manchmal begleitet von Todesangst. Das kann sich wie eine Panikattacke anfühlen.
Schwindel und Bewusstlosigkeit: Wenn das Herz nicht mehr genug Blut pumpen kann, kann es zu Schwindel, Benommenheit oder sogar kurzzeitiger Bewusstlosigkeit kommen. Das ist ein Alarmsignal, das sofortige Hilfe erfordert.
Unterschiede bei Frauen
Die Symptome eines Herzinfarkts können bei Frauen anders sein als bei Männern und werden daher oft weniger schnell erkannt. Während Männer häufig über starke Brustschmerzen klagen, haben Frauen öfter unspezifische Symptome, die auch auf andere Erkrankungen hindeuten könnten.
Weniger typische Symptome bei Frauen: Frauen berichten häufiger über Atemnot, Übelkeit, Erbrechen, Rückenschmerzen, Kiefschmerzen und ein allgemeines Schwächegefühl, ohne dass das Brustgefühl im Vordergrund steht. Auch Müdigkeit, Schlafstörungen und ein Gefühl starker Erschöpfung können bei Frauen auf einen Herzinfarkt hinweisen.
Warum das problematisch ist: Da die Symptome bei Frauen oft weniger offensichtlich sind, wird ein Herzinfarkt bei Frauen manchmal erst später erkannt. Das kann dazu führen, dass die Behandlung verzögert wird. Frauen und ihre Angehörigen sollten daher auch auf unspezifische Symptome achten, besonders wenn mehrere gleichzeitig auftreten.
Wichtig: Auch wenn die Symptome bei Frauen anders sein können, ist ein Herzinfarkt bei Frauen genauso ein Notfall wie bei Männern. Jede Minute zählt. Wenn du oder jemand in deiner Nähe Symptome eines Herzinfarkts bemerkt, zögere nicht und rufe sofort die 112 an.
Risikofaktoren für einen Herzinfarkt
Bestimmte Faktoren erhöhen das Risiko, einen Herzinfarkt zu erleiden. Manche davon kannst du beeinflussen, andere nicht:
Rauchen: Rauchen ist einer der wichtigsten beeinflussbaren Risikofaktoren. Tabakkonsum schädigt die Arterien, fördert die Entstehung von Ablagerungen und erhöht die Blutgerinnungsneigung. Auch Passivrauchen erhöht das Risiko.
Hoher Blutdruck: Bluthochdruck belastet die Arterien auf Dauer und fördert die Arteriosklerose. Ein gut eingestellter Blutdruck senkt das Risiko deutlich.
Erhöhte Blutfette: Ein hoher LDL-Cholesterinspiegel fördert die Bildung von Ablagerungen in den Arterien. Eine Senkung des LDL-Cholesterins durch Ernährung oder Medikamente kann das Risiko verringern.
Diabetes: Menschen mit Diabetes haben ein etwa zwei- bis vierfach erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, einschließlich Herzinfarkt. Eine gute Blutzuckereinstellung ist daher besonders wichtig.
Übergewicht: Besonders Übergewicht mit Fokus auf der Taille (Bauchfett) erhöht das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen.
Familiäre Vorbelastung: Wenn Verwandte ersten Grades (Eltern, Geschwister) bereits einen Herzinfarkt hatten, ist das Risiko erhöht. Das lässt sich nicht ändern, aber es ist ein Grund, besonders auf die anderen Risikofaktoren zu achten.
Alter und Geschlecht: Das Risiko steigt mit dem Alter. Bei Männern steigt das Risiko ab etwa 45 Jahren deutlich an, bei Frauen ab etwa 55 Jahren, also nach den Wechseljahren.
Was tun im Notfall?
Wenn du den Verdacht hast, dass du oder jemand in deiner Nähe einen Herzinfarkt erleidet, handle sofort:
Schritt 1: 112 rufen. Wähle den Notruf und schildere die Situation so präzise wie möglich. Sage, dass ein Herzinfarkt vermutet wird und nenne die Adresse.
Schritt 2: Hinlegen oder hinsetzen. Die Person sollte sich in eine halbliegende Position begeben, um das Herz zu entlasten. Enge Kleidung öffnen.
Schritt 3: Beruhigen. Bleibe bei der Person und versuche, sie zu beruhigen. Panik verschlechtert die Situation.
Schritt 4: Medikamente. Wenn die betroffene Person ein Nitrospray oder Aspirin zur Hand hat und das Mittel ihr bekanntermaßen verordnet wurde, kann sie es nehmen. Andernfalls nichts zu essen oder trinken geben.
Schritt 5: Wiederbelebung. Wenn die Person bewusstlos wird und nicht mehr atmet, muss sofort mit einer Herz-Druck-Massage begonnen werden. Der Rettungsdienst kann dich dabei telefonisch anleiten.
Warte nicht ab: Viele Menschen machen den Fehler, bei Herzinfarkt-Symptomen erst einmal abzuwarten, ob die Beschwerden von selbst vergehen. Das ist gefährlich. Bei einem Herzinfarkt stirbt pro Minute Herzmuskelgewebe ab. Je früher die Behandlung beginnt, desto mehr Herzmuskel kann erhalten werden.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Typische Herzinfarkt-Symptome: starke Brustschmerzen, Druckgefühl, Enge
- Ausstrahlung in linken Arm, Rücken, Kiefer
- Weitere Symptome: Atemnot, kalter Schweiß, Übelkeit, Angst
- Bei Frauen oft weniger typische Symptome (Atemnot, Übelkeit, Rückenschmerzen)
- Risikofaktoren: Rauchen, hoher Blutdruck, Cholesterin, Diabetes, Übergewicht, Familie
- Bei Verdacht sofort 112 rufen. Jede Minute zählt.
Häufige Fragen
Kann ein Herzinfarkt auch ohne Brustschmerzen auftreten?
Ja, das kommt vor, besonders bei Frauen, bei älteren Menschen und bei Diabetikern. Man spricht dann von einem stummen Herzinfarkt oder einem Herzinfarkt mit untypischer Symptomatik. Anzeichen können allgemeine Schwäche, Atemnot, Übelkeit oder starke Müdigkeit sein, ohne dass klassische Brustschmerzen auftreten.
Wie unterscheidet sich ein Herzinfarkt von einer Panikattacke?
Sowohl ein Herzinfarkt als auch eine Panikattacke können Brustschmerzen, Atemnot, Schwindel und ein Angstgefühl verursachen. Bei einer Panikattacke treten die Symptome oft plötzlich und sehr intensiv auf und klingen innerhalb von Minuten bis Stunden wieder ab. Bei einem Herzinfarkt halten die Symptome meist länger an und werden nicht besser, wenn man sich hinlegt oder entspannt. Bei Unsicherheit lieber einmal zu viel den Notruf wählen.
Ich habe öfter Brustschmerzen. Muss ich mir Sorgen machen?
Brustschmerzen haben viele Ursachen und sind nicht immer ein Zeichen für einen Herzinfarkt. Muskelverspannungen, Magenprobleme oder Angst können ähnliche Beschwerden verursachen. Wenn die Brustschmerzen aber neu auftreten, ungewöhnlich stark sind, bei körperlicher Belastung kommen oder von Atemnot, Schwindel oder Übelkeit begleitet werden, solltest du das ärztlich abklären lassen.
Was passiert im Krankenhaus bei einem Herzinfarkt?
Im Krankenhaus wird zunächst ein EKG geschrieben und Blut abgenommen (Troponin-Test). Wenn ein Herzinfarkt bestätigt wird, versucht man, das verschlossene Gefäß so schnell wie möglich wieder zu eröffnen, entweder mit Medikamenten (Thrombolyse) oder mit einer Herzkatheter-Intervention (PTCA/Stent). Dazu kommt oft eine Intensivüberwachung und Medikamente zur Blutverdünnung und Cholesterinsenkung.
Kann man einem Herzinfarkt vorbeugen?
Ja, du kannst einiges tun, um dein Risiko zu senken: Nicht rauchen, regelmäßig bewegen, gesund ernähren, Übergewicht vermeiden, Blutdruck und Blutzucker kontrollieren und bei erhöhten Werten behandeln lassen. Wenn in deiner Familie gehäuft Herzinfarkte vorkommen, sprich mit deinem Arzt über eine Vorsorgeuntersuchung.