Wann wird eine MRT der Wirbelsäule gemacht?
Die MRT der Wirbelsäule ist eines der häufigsten MRT-Verfahren überhaupt. Sie kommt vor allem dann zum Einsatz, wenn der Arzt wissen möchte, was genau im Inneren der Wirbelsäule los ist.
Typische Gründe für eine MRT Wirbelsäule:
- Starke Rückenschmerzen, die nicht besser werden
- Verdacht auf einen Bandscheibenvorfall
- Taubheitsgefühle oder Kribbeln in Armen oder Beinen
- Schmerzen, die in Arme oder Beine ausstrahlen (Ischias)
- Verdacht auf eine Verengung des Spinalkanals (Spinalkanalstenose)
- Nach einem Unfall, um Verletzungen der Wirbelsäule auszuschließen
- Bei Tumorverdacht oder zur Tumornachsorge
- Bei Gangstörungen oder Lähmungserscheinungen
Die MRT nutzt keine Strahlung, sondern Magnetfelder und Radiowellen. Sie ist besonders gut für Weichteilgewebe geeignet: Bandscheiben, Rückenmark, Nerven und Bänder sind darauf sehr gut sichtbar.
Gut zu wissen: Eine MRT der Wirbelsäule dauert je nach Abschnitt zwischen 20 und 45 Minuten. Du musst still liegen und darfst nicht husten oder sprechen, wenn gerade Bilder aufgenommen werden. Die Bilder werden in Schichten angefertigt, deshalb sind Bewegung und Atembewegungen problematisch.
Welche Teile der Wirbelsäule gibt es?
Die Wirbelsäule besteht aus mehreren Abschnitten. Bei einer MRT wird meist nur ein Abschnitt untersucht, je nachdem wo das Problem vermutet wird:
Halswirbelsäule (HWS)
Der oberste Abschnitt der Wirbelsäule, zwischen Kopf und Brustkorb. Sie besteht aus 7 Wirbeln (C1 bis C7). Typische Probleme hier: Bandscheibenvorfälle im Halsbereich, die in die Arme ausstrahlen können, Verengungen am Spinalkanal, Unfälle.
Brustwirbelsäule (BWS)
Der mittlere Abschnitt, der an den Brustkorb angrenzt. Sie besteht aus 12 Wirbeln (Th1 bis Th12). Hier treten seltener Bandscheibenvorfälle auf, häufiger sind Verschleiß und Veränderungen durch Fehlhaltung.
Lendenwirbelsäule (LWS)
Der untere Abschnitt im Bereich der Lenden. Sie besteht aus 5 Wirbeln (L1 bis L5). Die LWS ist der am häufigsten untersuchte Abschnitt, weil hier die meisten Rückenprobleme auftreten. Bandscheibenvorfälle und Spinalkanalstenosen sind hier besonders häufig.
Kreuzbein und Steißbein
Das Kreuzbein (Os sacrum) besteht aus 5 verschmolzenen Wirbeln, das Steißbein (Os coccygis) aus 3 bis 4. Diese Abschnitte werden seltener isoliert mit MRT untersucht, sind aber bei Bedarf auch darstellbar.
So ist ein MRT-Wirbelsäule-Befund aufgebaut
Ein MRT-Wirbelsäule-Befund folgt einer festen Struktur:
1. Untersuchte Region und Fragestellung
Ganz oben steht, welcher Abschnitt untersucht wurde und warum. Zum Beispiel: „MRT der Lendenwirbelsäule, Fragestellung: Bandscheibenvorfall L4/5 mit Nervenkompression links".
2. Technik und Durchführung
Hier steht, mit welchen Sequenzen die MRT gemacht wurde. Typische Angaben: T1-gewichtet, T2-gewichtet, STIR. Diese verschiedenen Bildtypen helfen dem Radiologen, verschiedene Gewebearten optimal zu beurteilen.
3. Befundbeschreibung
Der umfangreichste Teil. Der Radiologe beschreibt jeden Wirbel und jede Bandscheibe, oft von oben nach unten. Er prüft:
- Die Wirbelkörper auf Form, Höhe und Signalverhalten
- Die Bandscheiben auf Höhe, Signal und mögliche Vorwölbungen oder Vorfälle
- Den Spinalkanal auf Weite und mögliche Verengungen
- Das Rückenmark und die Nervenwurzeln
- Die umgebenden Weichteile und Bänder
4. Beurteilung und Zusammenfassung
Das ist der wichtigste Abschnitt für dich. Hier fasst der Radiologe zusammen, was er gefunden hat. Lies diesen Abschnitt zuerst.
5. Empfehlung
Was sollte als nächstes passieren? Kontroll-MRT, Operation, konservative Therapie?
Diese Begriffe kommen häufig im MRT-Wirbelsäule-Befund vor
| Begriff | Bedeutung |
|---|---|
| Bandscheibe | Die stoßdämpfende Scheibe zwischen zwei Wirbeln. Sie besteht aus einem äußeren Faserring und einem gallertartigen Kern. Mit zunehmendem Alter verliert die Bandscheibe Wasser und wird dünner. |
| Bandscheibenprotrusion | Eine Vorwölbung der Bandscheibe. Der äußere Faserring ist noch intakt, aber die Bandscheibe wölbt sich leicht vor. Das ist oft harmlos und verursacht nicht immer Beschwerden. |
| Bandscheibenprolaps / Bandscheibenvorfall | Der gallertartige Kern der Bandscheibe bricht durch den Faserring hindurch. Das kann auf Nerven oder das Rückenmark drücken und starke Schmerzen verursachen. |
| Sequester | Ein abgelöstes Stück des Bandscheibenkerns, das frei im Spinalkanal liegt. Das kann starke Nervenreizungen verursachen. |
| Spinalkanal | Der Kanal innerhalb der Wirbel, in dem das Rückenmark verläuft. Er wird auch Wirbelkanal genannt. |
| Spinalkanalstenose | Eine Verengung des Spinalkanals. Das Rückenmark oder die Nerven haben weniger Platz. Das kommt oft im Alter durch Verschleiß vor. Typische Symptome: Schmerzen beim Gehen, die beim Sitzen oder Vorbeugen besser werden. |
| Foramenstenose | Eine Verengung an der Stelle, wo die Nerven aus dem Rückenmark austreten (Neuroforamen). Das kann zu Ausstrahungsschmerzen in Arme oder Beine führen. |
| Myelopathie | Eine Schädigung des Rückenmarks selbst. Im MRT sieht man eine Signalanhebung im Rückenmark auf T2-gewichteten Bildern. Das ist ein ernster Befund, der schnell behandelt werden muss. Symptome: Gangstörungen, Taubheitsgefühle, Probleme mit der Feinmotorik. |
| Radikulopathie | Eine Reizung oder Schädigung einer Nervenwurzel. Typische Ursache: ein Bandscheibenvorfall, der auf die Nervenwurzel drückt. Symptome: Schmerzen, Taubheit oder Kribbeln im Versorgungsgebiet des betroffenen Nervs. |
| Spondylolisthesis / Wirbelgleiten | Ein Zustand, bei dem ein Wirbel gegenüber seinem Nachbarwirbel verschoben ist. Das kann angeboren sein oder durch Verschleiß entstehen. Je nach Schweregrad (I bis IV nach Meyerding) wird eine Behandlung empfohlen. |
| Spondylolyse | Ein Defekt im kleinen Gelenkfortsatz (Isthmus) des Wirbels. Das kann zu Wirbelgleiten führen, ist aber oft beschwerdefrei. |
| Kompressionsfraktur | Ein Wirbelkörper, der durch Druck von oben zusammengebrochen ist. Typisch bei Osteoporose oder nach einem Unfall. |
| Spondylarthrose | Verschleiß der kleinen Wirbelgelenke (Facettengelenke). Das ist eine der häufigsten Ursachen für Rückenschmerzen im Alter. |
| T1-gewichtet / T2-gewichtet / STIR | Verschiedene Sequenztypen der MRT. T2 ist besonders wichtig für die Wirbelsäule, weil Flüssigkeit und damit auch Entzündung, Ödeme und Wasseransammlungen hell darauf erscheinen. |
| Signalanhebung / Signalsteigerung | Ein Bereich, der auf T2 besonders hell appears. Das kann auf Entzündung, Ödem, Infektion oder tumoröse Veränderungen hinweisen. |
| o.B. | Ohne pathologischen Befund. Alles ist unauffällig. |
Die häufigsten Befunde an der Wirbelsäule
Bandscheibenvorfall
Der Bandscheibenvorfall ist einer der häufigsten Befunde in der MRT der Lendenwirbelsäule. Er entsteht, wenn der gallertartige Kern der Bandscheibe durch einen Riss im Faserring bricht und auf Nerven drückt. Das passiert oft durch falsche Belastung, Alter oder plötzliche Drehbewegungen.
Im MRT beschreibt der Radiologe, wo genau der Vorfall liegt (welcher Nerv ist betroffen) und wie groß er ist. Ein kleiner Vorfall kann beschwerdefrei sein, ein großer Vorfall kann starke Schmerzen und Taubheitsgefühle verursachen.
Die gute Nachricht: Die meisten Bandscheibenvorfälle heilen von selbst innerhalb von Wochen. Nur in manchen Fällen ist eine Operation nötig.
Spinalkanalstenose
Bei der Spinalkanalstenose ist der Kanal, in dem das Rückenmark verläuft, verengt. Das passiert meist durch eine Kombination aus Verschleiß: verdickte Bänder, vergrößerte Facettengelenke, vorgewölbte Bandscheiben.
Typisch für eine Spinalkanalstenose der Lendenwirbelsäule: Schmerzen und Schweregefühl in den Beinen beim Gehen, die beim Sitzen oder Vorbeugen verschwinden. Viele Patienten beschreiben, dass sie nur kurze Strecken gehen können und sich immer wieder setzen müssen.
Myelopathie
Myelopathie bedeutet, dass das Rückenmark selbst geschädigt ist. Im MRT sieht der Radiologe eine Signalanhebung im Rückenmark auf T2-gewichteten Bildern.
Dieser Befund ist ernst. Das Rückenmark ist empfindlich, und jede Schädigung kann zu dauerhaften Einschränkungen führen. Symptome einer Myelopathie:
- Gangstörungen, Unsicherheit beim Gehen
- Feinmotorik-Probleme, z.B. Schwierigkeiten beim Schreiben oder Knöpfen
- Taubheitsgefühle in Händen oder Füßen
- Blasen- und Darmentleerungsstörungen
Wenn du diese Symptome hast und der Befund eine Myelopathie zeigt, ist eine schnelle Behandlung wichtig.
Wirbelgleiten (Spondylolisthesis)
Beim Wirbelgleiten ist ein Wirbel gegenüber seinem Nachbarwirbel verschoben. Das kann nach vorne (Anteolisthesis) oder hinten (Retrolisthesis) sein.
Leichtes Wirbelgleiten (Grad I) ist oft harmlos und verursacht keine Beschwerden. Höhere Grade können auf Nerven drücken und müssen behandelt werden.
Was bedeutet „Korrelieren mit der Klinik"?
Dieser Satz steht in fast jedem MRT-Wirbelsäule-Befund. Und er ist wichtig: Der Radiologe weiß nicht, was du fühlst. Er kann nur beschreiben, was er auf den Bildern sieht.
Das bedeutet: Ein Befund kann Auffälligkeiten zeigen, die nicht zu deinen Beschwerden passen. Umgekehrt kannst du starke Schmerzen haben, obwohl der MRT-Befund unauffällig ist. Bild und Symptome müssen zusammen betrachtet werden.
Frage immer: Passt das, was der Radiologe beschreibt, zu dem, was ich fühle?
Wichtig: Wenn dein Befund eine Myelopathie zeigt, ist das ein ernster Befund. Frage sofort deinen Arzt, was die nächsten Schritte sind. Schädigungen des Rückenmarks können dauerhaft werden, wenn sie nicht schnell behandelt werden.
Deine Rechte beim MRT-Wirbelsäule-Befund
Du hast ein Recht auf deinen MRT-Befund. Das regelt das Patientenrechtegesetz (§630g BGB):
- Du darfst den Befund lesen und kopieren
- Du darfst Fragen stellen bei dem Arzt, der dich überwiesen hat
- Du darfst eine zweite Meinung einholen
- Du darfst den Befund in einfacher Sprache erklärt bekommen
Scheue dich nicht, nachzufragen. Frage so lange, bis du verstehst, was los ist.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Die MRT der Wirbelsäule untersucht Wirbel, Bandscheiben, Spinalkanal, Rückenmark und Nerven
- Ein Bandscheibenvorfall ist häufig und heilt oft von selbst
- Eine Spinalkanalstenose kommt oft im Alter vor und verursacht Schmerzen beim Gehen
- Eine Myelopathie (Rückenmarksschädigung) ist ein ernster Befund, der schnell behandelt werden muss
- Lies zuerst die Beurteilung und Zusammenfassung im Befund
- Frage immer: Passt der Befund zu meinen Symptomen?
- Du hast das Recht auf Erklärung, Kopie und eine zweite Meinung
Häufige Fragen
Ich habe starke Rückenschmerzen, aber der MRT-Befund ist unauffällig. Ist das möglich?
Ja, das ist möglich. Die MRT zeigt Strukturen, aber nicht alles, was Schmerzen verursacht. Muskelverspannungen, funktionelle Störungen oder Entzündungen zeigen sich nicht immer auf MRT-Bildern. Dein Arzt muss Bild und Symptome zusammen betrachten.
Mein Arzt hat einen Bandscheibenvorfall festgestellt. Muss ich operiert werden?
Nicht unbedingt. Die meisten Bandscheibenvorfälle heilen innerhalb von Wochen bis Monaten von selbst. Eine Operation wird erst dann empfohlen, wenn konservative Therapien nicht helfen, oder wenn neurologische Ausfälle (Lähmungen, Taubheitsgefühle) auftreten.
Was ist der Unterschied zwischen einer Protrusion und einem Prolaps?
Bei einer Protrusion (Vorwölbung) ist der äußere Faserring der Bandscheibe noch intakt, die Bandscheibe wölbt sich nur leicht vor. Bei einem Prolaps (Vorfall) ist der Faserring gerissen und der gallertartige Kern tritt aus. Ein Prolaps ist in der Regel schwerwiegender und kann stärkere Beschwerden verursachen.
Ich habe Angst vor einer Rückenoperation. Was kann ich tun?
Erst mal: Die meisten Rückenprobleme werden nicht operiert. Sprich mit deinem Arzt über konservative Therapien: Physiotherapie, Schmerztherapie, gezielte Übungen. Eine Operation wird in der Regel nur dann empfohlen, wenn andere Therapien nicht helfen oder neurologische Ausfälle drohen.
Was bedeutet es, wenn im Befund steht: „Korrelieren mit der Klinik"?
Das bedeutet, dass der Bildbefund zusammen mit deinen Symptomen betrachtet werden muss. Der Radiologe weiß nicht, was du fühlst. Wenn du starke Schmerzen hast, der Befund aber unauffällig ist, kann es trotzdem sein, dass etwas nicht stimmt. Frage deinen Arzt, ob Bild und Symptome zusammenpassen.