Was ist Asthma bronchiale?
Asthma bronchiale ist eine chronische Entzündung der Atemwege. Die Bronchien, also die Verzweigungen der Luftröhre in der Lunge, sind dauerhaft empfindlich. Bei einem Asthmaanfall ziehen sich die Muskeln in den Bronchien zusammen, die Schleimhaut schwillt an, und es wird zäher Schleim gebildet. Die Folge: Die Atemwege verengen sich, und die Luft kann schlechter ein- und ausströmen.
Drei Dinge passieren gleichzeitig bei einem Anfall:
- Bronchialmuskeln verkrampfen (wie ein geschlossener Fistel)
- Schleimhaut schwillt an (weniger Platz für Luft)
- Zäher Schleim blockiert die Atemwege zusätzlich
Der Unterschied zu COPD
Bei Asthma ist die Verengung umkehrbar. Nach einem Anfall oder mit Medikamenten weiten sich die Atemwege wieder. Bei COPD bleiben sie dauerhaft verengt. Asthma beginnt oft in der Jugend, COPD meist nach langem Rauchen im Alter.
Wie häufig ist Asthma?
In Deutschland haben etwa 4 Millionen Menschen Asthma. Bei Kindern ist es sogar die häufigste chronische Krankheit: Bis zu 15% sind betroffen. Etwa ein Drittel der Kinder "verwächst" das Asthma bis zur Pubertät.
Asthma Formen
Nicht jedes Asthma ist gleich. Es gibt zwei Hauptformen, die auch gemischt auftreten können:
Allergisches Asthma
Auslöser sind bekannte Allergene wie Pollen, Hausstaubmilben oder Tierhaare. Beginnt meist in der Kindheit oder Jugend. Der Körper bildet IgE-Antikörper, die die Entzündung antreiben.
Nicht-allergisches Asthma
Keine Allergie als Auslöser. Trigger sind Infekte, Kälte, Stress oder Reizstoffe. Beginnt oft erst im Erwachsenenalter (30 bis 40 Jahre) und ist häufig schwerer zu behandeln.
Ursachen und Risikofaktoren
Asthma entsteht nicht durch einen einzigen Faktor. Es ist eine Kombination aus Veranlagung und Umwelt:
- Genetik: Wenn beide Eltern Allergien oder Asthma haben, liegt das Risiko bei 60 bis 80%.
- Allergien: Heuschnupfen und Neurodermitis erhöhen das Asthma-Risiko deutlich (atopische Diathese).
- Infektionen: Schwere Virusinfekte in der Kindheit (wie RSV) können Asthma begünstigen.
- Passivrauchen: Besonders für Kinder ein großer Risikofaktor.
- Beruf: Mehlstaub, Isocyanate, Holzstaub, Desinfektionsmittel können Berufsasthma auslösen.
- Übergewicht: Erhöht das Risiko, besonders für nicht-allergisches Asthma.
Symptome: Woran erkennst du Asthma?
Asthma Symptome kommen und gehen. Typisch sind gute Tage und schlechte Tage im Wechsel. Die häufigsten Zeichen:
- Atemnot (anfallsartig, besonders nachts und frühmorgens)
- Giemen oder Pfeifen beim Ausatmen (das typische Asthma-Geräusch)
- Husten (trocken, besonders nachts)
- Engegefühl in der Brust
Besonderheit bei Kindern: Oft zeigt sich Asthma bei Kindern nur als chronischer Husten, besonders nachts oder nach Anstrengung. Das wird oft für einen "harten Husten" gehalten. Wenn der Husten immer wieder kommt, sollte ein Arzt auf Asthma testen.
Auslöser (Trigger)
Was einen Asthmaanfall auslösen kann, ist von Mensch zu Mensch unterschiedlich. Die häufigsten Trigger:
Allergene
Pollen, Hausstaubmilben, Tierhaare, Schimmelpilz
Anstrengung
Belastungsasthma: Atemnot bei Sport, besonders in kalter Luft
Kälte und Wetter
Kalte Luft, Temperaturwechsel, Gewitter
Tabakrauch
Aktiv und passiv. Einer der stärksten Trigger.
Medikamente
Betablocker und Schmerzmittel (ASS, Ibuprofen) können Asthma auslösen
Stress und Emotionen
Aufregung, Angst, Lachen können Anfälle auslösen
Diagnostik: Wie stellt der Arzt die Diagnose?
Die Diagnose Asthma wird durch eine Kombination aus Krankengeschichte, Untersuchung und Lungenfunktionstests gestellt:
- Anamnese: Wann tritt Atemnot auf? Nachts? Bei Anstrengung? Gibt es Allergien?
- Lungenfunktion (Spirometrie): Misst, wie viel Luft du ausatmen kannst und wie schnell. Bei Asthma ist der FEV1-Wert (einsekundige Ausatemmenge) vermindert.
- Reversibilitätstest: Nach Inhalation eines Bronchodilatators steigt der FEV1 um mindestens 12% und 200 ml. Das beweist: Die Verengung ist umkehrbar.
- Allergietest: Prick-Test oder Bluttest auf spezifische IgE-Antikörper.
- FeNO-Messung: Stickstoffmonoxid in der Ausatemluft. Erhöht = eosinophile (allergische) Entzündung.
- Peak-Flow-Tagebuch: Messung über 2 Wochen zu Hause. Variabilität über 10% spricht für Asthma.
Tipp: Ein einzelner normaler Lungenfunktionswert schließt Asthma nicht aus. Die Symptome kommen und gehen. Deshalb ist das Peak-Flow-Tagebuch wichtig: Es zeigt die Schwankungen, die für Asthma typisch sind.
Schweregrade nach GINA
Die GINA (Global Initiative for Asthma) teilt Asthma in vier Schweregrade ein. Die Einteilung hilft, die richtige Therapie zu finden:
| Schweregrad | Symptome | Nächtliche Sympt. | FEV1 |
|---|---|---|---|
| Stufe 1 Intermittierend | Weniger als 2x pro Woche | Keine | Über 80% |
| Stufe 2 Leicht persistierend | Mehr als 2x pro Woche | Gelegentlich | Über 80% |
| Stufe 3 Moderat persistierend | Täglich | Mehr als 1x pro Woche | 60 bis 80% |
| Stufe 4 Schwer persistierend | Täglich, häufige Anfälle | Häufig | Unter 60% |
Medikamentöse Therapie
Die Asthmatherapie basiert auf zwei Säulen: Controller (Dauermedikation) und Reliever (Bedarfsmedikation).
Controller: Die Basis
Controller werden täglich eingenommen. Sie hemmen die Entzündung und machen die Atemwege weniger empfindlich. Das wichtigste Mittel:
- Inhaled Corticosteroids (ICS): Beclometason, Budesonid, Fluticason. Wirken entzündungshemmend. Das ist die Basis jeder Asthmatherapie.
- ICS + LABA: Kombi-Präparate, die Cortison mit einem langwirksamen Bronchodilatator kombinieren (z.B. Symbicort, Seretide).
- Leukotrienantagonisten (Montelukast): Tabletten, als Alternative oder Ergänzung.
Reliever: Bei Bedarf
Schnell wirksame Medikamente für den akuten Anfall:
- SABA (Salbutamol): Wirkt innerhalb von Minuten, hält 4 bis 6 Stunden. Erweitert die Atemwege sofort.
Wichtig: Die GINA empfiehlt seit 2019, SABA nicht mehr allein als Dauertherapie zu verwenden. Der Grund: SABA ohne begleitendes ICS erhöht das Risiko für schwere Anfälle. Immer ein entzündungshemmendes Präparat als Basis!
Biologika bei schwerem Asthma
Wenn ICS + LABA nicht ausreichen, kommen Biologika zum Einsatz. Diese zielgenauen Antikörper blockieren bestimmte Entzündungsbotenstoffe:
- Omalizumab: gegen IgE (allergisches Asthma)
- Mepolizumab / Benralizumab: gegen IL-5 (eosinophiles Asthma)
- Dupilumab: gegen IL-4/13 (atopisches Asthma)
Asthmaanfall: Was tun im Notfall?
Leichter Anfall
Reliever inhalieren (2 Hub). Nach 10 Min besser? Weiter beobachten.
Mittelschwerer Anfall
Reliever wiederholen. Arzt kontaktieren. Notfallplan beachten.
Schwerer Anfall
Sofort 112 rufen! Aufrecht hinsetzen, Reliever inhalieren.
Asthma bei Kindern
Bei Kindern ist Asthma besonders häufig. Einige Besonderheiten:
- Symptome: Oft zeigt sich nur chronischer Husten, besonders nachts. Giemen kann fehlen.
- Diagnostik: Lungenfunktion ist bei Kindern unter 5 Jahren oft nicht zuverlässig messbar.
- Therapie: Niedrigere Dosierungen, Inhalierhilfe (Spacer) ist Pflicht, Montelukast als Alternative.
- Prognose: Etwa 30 bis 50% der Kinder "verwachsen" ihr Asthma bis zur Pubertät.
Passivrauchen: Kinder von rauchenden Eltern haben ein deutlich erhöhtes Asthma-Risiko. Auch wenn "nur auf dem Balkon" geraucht wird: Die Schadstoffe bleiben an Kleidung und Haaren. Das reicht, um kindliche Atemwege zu reizen.
Leben mit Asthma
Asthma ist nicht heilbar, aber mit der richtigen Therapie lässt es sich gut kontrollieren. Das bedeutet: normales Leben, Sport, Schwangerschaft, alles ist möglich.
Was hilft im Alltag:
- Controller regelmäßig inhalieren (auch wenn es dir gut geht!)
- Peak-Flow-Tagebuch führen, um Verschlechterungen früh zu erkennen
- Asthma-Schulung machen (wird von der Kasse bezahlt)
- Sport ist möglich und empfohlen! Verbessert die Lungenfunktion.
- Trigger meiden, soweit möglich (Allergene, Rauch, Kälte)
- Notfallplan haben: Was tun bei einem Anfall? Wen anrufen?
Zeichen für nicht gut eingestelltes Asthma: Wenn du mehr als 2x pro Woche deinen Reliever brauchst, nachts wegen Atemnot aufwachst oder deine Aktivitäten einschränkst, ist deine Therapie nicht optimal. Sprich mit deinem Arzt.
Wann sofort zum Arzt? Atemnot in Ruhe, kaum noch sprechbar, bläuliche Lippen oder Finger, kein Ansprechen auf den Reliever nach 10 Minuten. In diesem Fall: sofort 112 rufen.
Häufige Fragen
Kann man Asthma heilen?
Nein, Asthma ist chronisch. Aber mit der richtigen Therapie kannst du ein weitgehend beschwerdefreies Leben führen. Bei manchen Kindern verschwindet das Asthma in der Pubertät, kann aber im Erwachsenenalter wiederkommen.
Kann ich mit Asthma Sport machen?
Ja, sogar empholen! Regelmäßige Bewegung verbessert die Lungenfunktion. Belastungsasthma lässt sich durch Aufwärmen und vorbeugendes Inhalieren gut kontrollieren. Viele Spitzensportler haben Asthma.
Macht Cortison abhängig?
Inhaliertes Cortison (ICS) wirkt lokal in den Atemweisen und wird in viel geringerer Dosis gebraucht als Tabletten. Die üblichen Dosen machen nicht abhängig und haben kaum systemische Nebenwirkungen. Die Gefahr liegt darin, das Cortison zu wenig oder unregelmäßig zu inhalieren.
Wie unterscheidet man Asthma von COPD?
Asthma ist reversibel: Nach einem Anfall oder mit Medikamenten geht die Atemwegverweitung zurück. Bei COPD bleibt die Verengung dauerhaft. Asthma beginnt meist in der Jugend, COPD meist nach langem Rauchen. Ein Lungenfunktionstest (Reversibilitätstest) bringt Klarheit.
Was passiert bei Asthma in der Schwangerschaft?
Etwa ein Drittel der Asthmatikerinnen hat in der Schwangerschaft bessere Werte, ein Drittel gleichbleibend, ein Drittel schlechtere. Wichtig: Die Controller-Therapie weiterführen! Ein gut eingestelltes Asthma ist besser für Mutter und Kind als unbehandeltes.
Quellen
- GINA Global Strategy for Asthma Management and Prevention (2025)
- AWMF S3-Leitlinie Asthma bronchiale (Registernummer 020/009)
- Nationale VersorgungsLeitlinie (NVL) Asthma
- IQWiG: Asthma bronchiale
- Deutsche Gesellschaft für Pneumologie (DGP)
- RKI Gesundheitsberichterstattung: Asthma bronchiale
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