Dein BSG-Wert auf einen Blick
Die Blutsenkungsgeschwindigkeit (BSG) wird in Millimetern pro Stunde (mm/h) gemessen. Sie zeigt an, wie schnell rote Blutkörperchen in einer Blutprobe absinken.
Normal (Männer)
Kein Anlass zur Sorge.
Normal (Frauen)
Im Normbereich.
Leicht erhöht
Kann auf Entzündung hindeuten.ärztliche Abklärung empfohlen.
Stark erhöht
Schnellstmögliche ärztliche Abklärung nötig.
Beachte: Diese Werte sind Richtwerte. Bei älteren Menschen und Schwangeren können höhere Werte normal sein. Dein Arzt bewertet den Wert im Kontext deiner gesamten Situation.
Was ist die Blutsenkung eigentlich?
Die Blutsenkungsgeschwindigkeit (BSG, auch BSR für Blutsenkungsreaktion) ist ein Laborwert, der misst, wie schnell rote Blutkörperchen in einer Probe absinken. Das passiert, weil rote Blutkörperchen schwerer sind als das flüssige Plasma.
Wie funktioniert die Messung?
Die häufigste Methode ist die Westergren-Methode:
- Blut wird mit einer gerinnungshemmenden Substanz vermischt
- Das Blut kommt in ein senkrechtes Glasröhrchen mit Millimeterskala
- Nach einer Stunde wird abgelesen, wie weit die Zellen abgesunken sind
- Manchmal wird nach zwei Stunden noch einmal abgelesen
Das Ergebnis wird als "5 zu 12" geschrieben – das bedeutet 5 mm nach einer Stunde, 12 mm nach zwei Stunden.
Warum steigt die BSG bei Entzündungen?
Normalerweise stoßen sich rote Blutkörperchen ab, weil sie negativ geladen sind. Bei einer Entzündung verändern sich bestimmte Proteine im Blut (Fibrinogen und Globuline steigen an). Diese heben die negative Ladung teilweise auf – die Blutzellen klumpen zusammen und sinken schneller.
Einfach erklärt
Stell dir die BSG wie einen "Rauchmelder" vor. Sie zeigt an, dass etwas im Körper passiert – aber nicht, was genau. Sie ist unspezifisch, aber nützlich als erster Hinweis.
Wann ist der BSG-Wert erhöht?
Ein erhöhter BSG-Wert kann viele Ursachen haben:
Infektionen
Bakterielle Infektionen, Virusinfektionen, Pilzinfektionen.
Entzündliche Erkrankungen
Rheumatoide Arthritis, Vaskulitis, entzündliche Darmerkrankungen.
Autoimmunerkrankungen
Lupus, rheumatoide Arthritis, Morbus Crohn.
Schwerwiegende Erkrankungen
Krebserkrankungen, Nierenerkrankungen, Gewebszerfall.
Auch ohne Krankheit kann die BSG erhöht sein:
- Schwangerschaft: Physiologisch erhöht, normalerweise kein Grund zur Sorge
- Hohes Alter: Werte können höher sein als bei jüngeren Menschen
- Anämie: Blutarmut kann die BSG beeinflussen
- Medikamente: Bestimmte Arzneimittel können die Werte verändern
BSG und CRP – was ist der Unterschied?
Oft werden BSG und CRP (C-reaktives Protein) zusammen bestimmt. Beide sind Entzündungsmarker, aber es gibt Unterschiede:
| BSG | CRP | |
|---|---|---|
| Spezifität | Unspezifisch | Spezifischer |
| Reaktionszeit | Langsamer | Schneller |
| Dauer erhöht | Länger | Kürzer |
| Kosten | Günstiger | Etwas teurer |
CRP reagiert schneller auf Entzündungen und sinkt auch schneller wieder ab. Die BSG brauch länger, um anzusteigen, bleibt aber länger erhöht. Deswegen werden beide oft zusammen gemessen – sie ergänzen sich.
Welche Symptome können auftreten?
Die BSG selbst verursacht keine Symptome. Symptome hängen von der zugrundeliegenden Erkrankung ab. Bei erhöhter BSG kannst du folgende Beschwerden haben:
- Fieber – ohne erkennbaren Infekt
- Müdigkeit und Abgeschlagenheit – dauerhaft, ohne klaren Grund
- Gewichtsverlust – ungewollt
- Gliederschmerzen – besonders morgens oder nach Ruhe
- Nachtschweiß – starker Schweiß während des Schlafs
Wichtig: Diese Symptome sind unspezifisch und können viele Ursachen haben. Eine Kombination aus erhöhter BSG und diesen Symptomen sollte ärztlich abgeklärt werden.
Wann solltest du zum Arzt?
Eine Bestimmung der BSG ist sinnvoll bei:
- Unklaren Symptomen wie Fieber, Müdigkeit oder Gewichtsverlust
- Verdacht auf entzündliche Erkrankungen
- Verlaufskontrolle bei chronischen Erkrankungen
- Kontrolle einer Behandlung
Werte über 50 mm/h sollten schnellstmöglich ärztlich abgeklärt werden. Sie weisen oft auf eine behandlungsbedürftige Erkrankung hin.
Was macht der Arzt?
Dein Arzt wird:
- Deine Krankengeschichte erfragen (Anamnese)
- Dich körperlich untersuchen
- Weitere Laborwerte bestimmen (CRP, Blutbild, etc.)
- Eventuell Bildgebung veranlassen (Ultraschall, Röntgen)
- Die Ursache gezielt behandeln
Häufige Fragen
Ist eine niedrige BSG schlimm?
Nein. Eine niedrige BSG ist meist normal. Sehr niedrige Werte können bei bestimmten Bluterkrankungen vorkommen (z.B. Polyzythämie), sind aber selten.
Muss ich nüchtern zur Blutentnahme?
Für die BSG ist Nüchternheit nicht unbedingt nötig. Dein Arzt kann dir sagen, ob er noch andere Werte bestimmt, für die Nüchternheit erforderlich ist.
Wie schnell ändert sich die BSG?
Die BSG reagiert langsamer als CRP. Sie steigt innerhalb von Stunden bis Tagen an und bleibt oft wochenlang erhöht, auch wenn die Entzündung schon abklingt.
Kann ich selbst etwas gegen eine erhöhte BSG tun?
Die BSG selbst kannst du nicht senken. Du kannst aber die Ursache behandeln. Eine gesunde Lebensweise unterstützt die Genesung: Ausreichend Schlaf, ausgewogene Ernährung, Stressabbau.
Warum wird die BSG nach einer Stunde und nach zwei Stunden gemessen?
Die Messung nach zwei Stunden kann zusätzliche Informationen liefern. Man spricht dann von "5 zu 12" (Beispiel: 5 mm nach einer Stunde, 12 mm nach zwei Stunden). Aus dem Verhältnis der beiden Werte können Ärzte Rückschlüsse auf die Art der Entzündung ziehen.