Cholesterin hat einen schlechten Ruf. Aber Cholesterin ist nicht automatisch schlecht. Dein Körper braucht es, um Hormone zu produzieren, Vitamin D zu bilden und die Zellwände aufzubauen. Ohne Cholesterin geht es nicht. Das Problem entsteht erst, wenn zu viel davon im Blut schwimmt oder wenn das Gleichgewicht zwischen den verschiedenen Formen nicht stimmt.
Deshalb schauen Ärzte nicht nur auf den einzelnen Cholesterinwert, sondern auf das Verhältnis der verschiedenen Blutfette zueinander.
Warum schwimmt Cholesterin im Blut?
Cholesterin ist ein Fett und kann sich nicht einfach so in wässrigem Blut auflösen. Deshalb wird es in Transportboxen verpackt, den sogenannten Lipoproteinen. Das sind kleine Partikel, die aus Fett und Eiweiß bestehen und das Cholesterin durch den Körper transportieren.
Die beiden wichtigsten Transportboxen sind LDL und HDL. Sie haben unterschiedliche Aufgaben und unterschiedliche Auswirkungen auf deine Gesundheit.
LDL: Der Lieferant mit Risiko
LDL steht für Low-Density Lipoprotein. Es transportiert Cholesterin von der Leber zu den Zellen im Körper. Das klingt erstmal gut, aber LDL ist das, was sich als Plaque in deinen Arterien ablagern kann. Deshalb wird LDL oft als "schlechtes" Cholesterin bezeichnet.
Wenn zu viel LDL im Blut ist, kann es sich an den Innenwänden der Arterien ablagern und dort Entzündungen und arteriosklerotische Plaques bilden. Das verengt die Gefäße und erhöht das Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall.
HDL: Der Müllmann
HDL steht für High-Density Lipoprotein. Es ist gewissermaßen der Reinigungsdienst in deinem Blutkreislauf. HDL transportiert überschüssiges Cholesterin zurück zur Leber, wo es abgebaut wird. Deshalb wird HDL oft als "gutes" Cholesterin bezeichnet.
Je höher dein HDL-Wert ist, desto besser. HDL hilft dabei, die Gefäße sauber zu halten und dem LDL-Cholesterin entgegenzuwirken.
Die wichtigsten Werte auf einen Blick
| Wert | Gut | Grenzwertig | Erhöht |
|---|---|---|---|
| Gesamtcholesterin | < 200 mg/dl | 200-239 mg/dl | > 240 mg/dl |
| LDL-Cholesterin | < 100 mg/dl | 130-159 mg/dl | > 160 mg/dl |
| HDL-Cholesterin | > 60 mg/dl | 40-60 mg/dl | < 40 mg/dl |
| Triglyceride | < 150 mg/dl | 150-199 mg/dl | > 200 mg/dl |
Richtwerte für Erwachsene. mg/dl ist die gebräuchliche Einheit in Deutschland. Die Grenzen können je nach Labor leicht abweichen. Bei Herzkranken gelten oft strengere Zielwerte.
Was bedeuten meine Werte?
Dein Arzt schaut sich nie nur einen einzelnen Wert an, sondern immer das Gesamtbild. Ein Mensch mit einem leicht erhöhten Gesamtcholesterin, aber einem sehr hohen HDL und niedrigen Triglyceriden kann besser dastehen als jemand mit normalem Gesamtcholesterin, aber schlechten LDL-Werten.
LDL und HDL im Verhältnis
Der Quotient aus Gesamtcholesterin und HDL gibt eine einfache Einschätzung des Herz-Kreislauf-Risikos:
- Unter 3,5: Gutes Verhältnis, niedriges Risiko
- 3,5 bis 5: Durchschnittliches Risiko
- Über 5: Erhöhtes Risiko
Was sind Triglyceride?
Triglyceride sind die häufigste Form von Fett im Körper und neben Cholesterin die zweite wichtige Art von Blutfetten. Sie liefern Energie. Wenn du mehr Kalorien zu dir nimmst, als du verbrauchst, werden diese als Triglyceride gespeichert.
Erhöhte Triglyceride gehen oft mit niedrigem HDL und hohem LDL einher und sind ein eigenständiger Risikofaktor für Arteriosklerose und Herz-Kreislauf-Erkrankungen.
Wann sind Blutfette behandlungsbedürftig?
Nicht jedes erhöhte Cholesterin muss sofort mit Medikamenten behandelt werden. Der Arzt berücksichtigt immer das gesamte Risikoprofil:
- Wie hoch ist das LDL konkret?
- Wie ist das HDL?
- Sind die Triglyceride erhöht?
- Hast du bereits eine Herz-Kreislauf-Erkrankung?
- Gibt es andere Risikofaktoren (Diabetes, Rauchen, Bluthochdruck, Übergewicht)?
- Gibt es eine familiäre Veranlagung?
Bei einem leicht erhöhten LDL ohne weitere Risikofaktoren versucht man zunächst, die Werte durch Lebensstiländerungen zu verbessern. Wenn die Werte deutlich erhöht sind oder bereits eine Herzerkrankung vorliegt, wird der Arzt in der Regel ein Statin verschreiben.
Was kannst du selbst für bessere Blutfettwerte tun?
Ernährung und Lebensstil haben einen nachgewiesenen Einfluss auf deine Blutfette. Hier sind die wirksamsten Hebel:
1. Iss weniger gesättigte Fette
Gesättigte Fette aus Butter, Wurst, Käse und fettem Fleisch erhöhen das LDL. Ersetze sie durch einfach ungesättigte Fette aus Olivenöl, Avocados und Nüssen.
2. Iss mehr Ballaststoffe
Lösliche Ballaststoffe aus Haferflocken, Hülsenfrüchten und Leinsamen können LDL um 5 bis 10 Prozent senken. Ziel: mindestens 30 Gramm Ballaststoffe pro Tag.
3. Beweg dich regelmäßig
Bewegung kann HDL um 5 bis 10 Prozent anheben und Triglyceride um 20 bis 30 Prozent senken. Schon 150 Minuten moderate Ausdauerbewegung pro Woche machen einen Unterschied.
4. Reduziere Zucker und Weißmehlprodukte
Zucker und einfache Kohlenhydrate treiben Triglyceride nach oben. Viele Fertiggerichte und Süßigkeiten enthalten versteckten Zucker.
5. trink weniger Alkohol
Alkohol erhöht Triglyceride stark, besonders in größeren Mengen. Reduziere Alkohol auf ein Glas Wein oder Bier am Tag, oder streiche ihn ganz.
6. Höre auf zu rauchen
Rauchen senkt HDL und schädigt die Gefäßwände. Wenn du rauchst, ist Aufhören der wirksamste Schritt für deine Gefäßgesundheit.
Tipp: Manche Menschen haben trotz optimaler Lebensstil eine familiäre Hypercholesterinämie, eine genetische Veranlagung für hohe Cholesterinwerte. Wenn dein Arzt das vermutet, kann ein spezieller Gentest Klarheit bringen. Eine familiäre Hypercholesterinämie muss oft mit Medikamenten behandelt werden, auch wenn die Lebensstiloptimierung stimmt.
HDL erhöhen: Das hilft wirklich
Wenn dein HDL zu niedrig ist, kannst du es auf natürliche Weise anheben:
- Ausdauersport: Laufen, Schwimmen, Radfahren. Bereits moderate Bewegung hilft.
- Gesunde Fette: Olivenöl, Nüsse, Avocados enthalten einfach ungesättigte Fettsäuren, die HDL fördern.
- Alkohol in Maßen: Ein bis zwei Gläser Rotwein pro Woche können HDL leicht erhöhen. Mehr ist kontraproduktiv.
- Gewicht reduzieren: Übergewicht, besonders Bauchfett, senkt HDL.
Wichtig: cholesterinsenker wie Statine sollten nur in Absprache mit dem Arzt genommen werden. Wenn dein Arzt dir ein Statin verschrieben hat, brich die Einnahme nicht eigenmächtig ab, auch wenn du dich besser fühlst.
Wann werden Blutfette bestimmt?
Dein Arzt bestimmt deine Blutfette in folgenden Situationen:
- Im Rahmen des Check-up 35 alle drei Jahre
- Bei Übergewicht, Diabetes oder Bluthochdruck
- Bei familiärer Vorbelastung für Herz-Kreislauf-Erkrankungen
- Bei der Einnahme bestimmter Medikamente, die Blutfette beeinflussen
- Zur Verlaufskontrolle, wenn du bereits wegen hoher Blutfette in Behandlung bist
Für die Blutfettbestimmung solltest du idealerweise nüchtern sein, also 8 bis 12 Stunden nichts gegessen haben. Wasser und ungesüßter Tee sind erlaubt.
FAQ: Häufige Fragen zu Cholesterin
Ich habe normales Gesamtcholesterin, aber erhöhtes LDL. Ist das problematisch?
Ja, das kann problematisch sein. Das Gesamtcholesterin allein sagt wenig aus. Wenn dein LDL erhöht ist, kann sich das in den Arterien ablagern, auch wenn der Gesamtwert im normalen Bereich liegt. Dein Arzt schaut deswegen immer auf das Verhältnis von LDL zu HDL und entscheidet dann, ob eine Behandlung nötig ist.
Kann ich mein LDL durch Ernährung senken?
Ja, Ernährung kann LDL um etwa 10 bis 20 Prozent senken. Am wirksamsten sind eine Reduktion von gesättigten Fetten und Transfetten, mehr lösliche Ballaststoffe und eine insgesamt ausgewogene Ernährung wie die mediterrane Kost. Wenn das LDL sehr hoch ist oder eine familiäre Hypercholesterinämie vorliegt, reicht Ernährung allein meist nicht aus.
Sind Eier schlecht für mein Cholesterin?
Die Wissenschaft hat sich in den letzten Jahren weiterentwickelt. Moderate Eimengen (bis zu einem Ei pro Tag) erhöhen bei den meisten Menschen das Cholesterin nicht signifikant. Das ist bei jedem anders. Wenn du zu den Menschen gehörst, bei denen Eier das Cholesterin hochtreiben, solltest du zurückhaltend sein. Dein Arzt kann das im Blutbild sehen.
Ich nehme ein Statin. Muss ich trotzdem auf Ernährung achten?
Unbedingt. Statine senken LDL, aber sie ersetzen keine gesunde Lebensstil. Ernährung, Bewegung und Gewichtskontrolle unterstützen die Wirkung des Statins und senken das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen weiter. Außerdem brauchst du bei Statinen weniger hohe Dosen, wenn dein Lebensstil stimmt.
Was sind Transfette und warum sind sie schlecht?
Transfette sind industriell hergestellte Fette, die in vielen verarbeiteten Lebensmitteln stecken, zum Beispiel in frittierten Snacks, Gebäck und Margarine. Sie erhöhen LDL, senken HDL und erhöhen das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen stark. Seit 2018 müssen Transfette in der EU nicht mehr auf Lebensmitteln deklariert werden, aber sie sind in vielen Produkten noch enthalten. Am besten verarbeitete Lebensmittel reduzieren und Fertignahrung meiden.
Ab wann spricht man von erblich bedingtem hohen Cholesterin?
Bei einer familiären Hypercholesterinämie ( FH ) liegt das LDL oft bei über 190 mg/dl, und zwar von Geburt an. Wenn dein LDL über 190 mg/dl liegt, dein HDL sehr niedrig ist und es in deiner Familie Herzinfarkte oder Schlaganfälle vor dem 60. Lebensjahr gab, solltest du das ärztlich abklären lassen. Eine FH muss in der Regel mit Statinen behandelt werden.
Hinweis: Dieser Artikel dient der Information und ersetzt nicht die Beratung durch einen Arzt. Wenn du Fragen zu deinen Cholesterinwerten hast, wende dich an deinen Arzt.