Dein Folsäure-Wert kurz erklärt: Folsäure (Vitamin B9) ist wichtig für Zellteilung, Blutbildung und die Entwicklung des Nervensystems. Normalwerte liegen bei 5 bis 20 ng/ml, als Grenzwert gelten etwa 3 ng/ml. Ein Mangel kann zu Anämie, Müdigkeit und Kurzatmigkeit führen. In der Schwangerschaft ist Folsäure besonders wichtig, um Fehlbildungen beim Baby vorzubeugen.
Was ist Folsäure?
Folsäure ist ein wasserlösliches Vitamin aus der B-Gruppe, das offiziell als Vitamin B9 bezeichnet wird. Der Name leitet sich vom lateinischen folium (Blatt) ab, denn Folsäure kommt besonders in grünem Blattgemüse vor. In der Leber und in den Zellen wird Folsäure in ihre aktive Form umgewandelt, das sogenannte Tetrahydrofolat.
Folsäure ist an mehreren lebenswichtigen Prozessen beteiligt. Sie ist unverzichtbar für die Zellteilung, da sie an der Synthese der DNA beteiligt ist. Ohne ausreichend Folsäure können Zellen sich nicht richtig teilen und erneuern. Das betrifft besonders Gewebe, das sich schnell erneuert, wie die Schleimhäute des Darms, das Blut und die Haut.
Eine weitere zentrale Aufgabe ist die Blutbildung. Gemeinsam mit Vitamin B12 sorgt Folsäure dafür, dass genügend rote Blutkörperchen gebildet werden. Folsäure ist auch wichtig für das Nervensystem, da sie an der Produktion von Botenstoffen im Gehirn beteiligt ist.
Folsäure und Schwangerschaft: In der Schwangerschaft ist der Folsäurebedarf besonders hoch. Das Vitamin ist entscheidend für die Entwicklung des Neuralrohrs beim Embryo, aus dem sich Gehirn und Rückenmark bilden. Frauen, die schwanger werden möchten, wird empfohlen, bereits vier Wochen vor der Empfängnis mit der Einnahme von Folsäure-Supplementen zu beginnen. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt 400 Mikrogramm Folsäure pro Tag zusätzlich zur Ernährung.
Die Folsäure-Normalwerte
Die Normalwerte können je nach Labor leicht variieren. In der Regel gelten folgende Richtwerte:
| Parameter | Normalbereich |
|---|---|
| Folsäure im Serum | 5 - 20 ng/ml |
| Grenzwert (Mangel) | unter 3 ng/ml |
| Folsäure in den roten Blutkörperchen | 160 - 640 ng/ml |
Wichtig: Orientiere dich an den Referenzwerten deines eigenen Laborberichts. Jeder Analyseautomat hat leicht eigene Normalwerte. Wenn dein Wert nahe an der Grenze liegt, sprich mit deinem Arzt über weitere Schritte.
Folsäure erniedrigt: Ein Mangel
Ein zu niedriger Folsäure-Wert kann verschiedene Ursachen haben:
Einseitige Ernährung: Wenn du dich unausgewogen ernährst und wenig frisches Obst, Gemüse und Vollkornprodukte isst, kann es zu einem Folsäuremangel kommen. Folsäure ist hitzeempfindlich und geht beim Kochen teilweise verloren.
Alkoholkonsum: Alkohol beeinträchtigt die Aufnahme von Folsäure im Darm und erhöht gleichzeitig die Ausscheidung über die Nieren. Chronischer Alkoholkonsum ist einer der häufigsten Gründe für einen Folsäuremangel in westlichen Ländern.
Bestimmte Medikamente: Einige Arzneimittel können den Folsäurestoffwechsel stören. Dazu gehören bestimmte Medikamente gegen Epilepsie, einige Antibiotika, Methotrexat (ein Mittel gegen Rheuma und Krebs) und die Pille. Wenn du solche Medikamente nimmst, sprich mit deinem Arzt über deine Folsäureversorgung.
Malabsorption: Erkrankungen des Darms, wie Zöliakie, Morbus Crohn oder die operative Entfernung von Teilen des Dünndarms, können die Folsäureaufnahme beeinträchtigen.
Erhöhter Bedarf: In der Schwangerschaft und Stillzeit, in Wachstumsphasen bei Kindern und bei bestimmten Bluterkrankungen ist der Bedarf an Folsäure erhöht.
Symptome bei Folsäuremangel:
- Müdigkeit und Abgeschlagenheit
- Blässe
- Kurzatmigkeit bei Belastung
- Herzrasen
- Reizbarkeit und Konzentrationsstörungen
- Schlafstörungen
- Glatte, brennende Zunge
- Durchfall
Gemeinsam mit Vitamin B12: Ein Folsäuremangel und ein Vitamin-B12-Mangel führen oft zu ähnlichen Symptomen, nämlich einer bestimmten Form der Anämie. Deshalb werden beide Werte häufig zusammen bestimmt. Wichtig zu wissen: Die Einnahme von Folsäure kann einen B12-Mangel verdecken, denn sie verbessert die Blutwerte, ohne den tatsächlichen B12-Mangel zu beheben. Deshalb sollte vor einer eigenständigen Einnahme von Folsäure ein B12-Mangel ärztlich ausgeschlossen werden.
Folsäure erhöht: Selten, aber möglich
Ein zu hoher Folsäure-Wert kommt selten vor, da überschüssige Folsäure in der Regel über die Niere ausgeschieden wird. Mögliche Ursachen sind:
Übermäßige Supplementierung: Wer über lange Zeit hochdosierte Folsäurepräparate einnimmt, kann erhöhte Werte entwickeln. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt für Erwachsene eine maximale tägliche Aufnahme von 1 Milligramm Folsäure aus Nahrungsergänzungsmitteln.
Erkrankungen: Bestimmte Erkrankungen, wie eine perniziöse Anämie oder Leukämie, können mit erhöhten Folsäurewerten einherhen.
Was kannst du selbst tun?
Bei Folsäuremangel: Baue folsäurereiche Lebensmittel in deinen Speiseplan ein. Besonders gute Quellen sind Blattgemüse wie Spinat und Grünkohl, Hülsenfrüchte wie Linsen und Kichererbsen, Vollkornprodukte, Eier und Leber. Da Folsäure hitzeempfindlich ist, schonend zubereiten und rohes Gemüse ergänzen. Bei einem nachgewiesenen Mangel kann dein Arzt Folsäurepräparate verschreiben. Wenn du schwanger werden möchtest, sprich rechtzeitig mit deinem Frauenarzt über eine Supplementierung.
Bei erhöhtem Folsäurewert: Sprich mit deinem Arzt über die Ursache. In den meisten Fällen ist keine Behandlung nötig, aber es sollte abgeklärt werden, warum der Wert erhöht ist. Reduziere gegebenenfalls die Einnahme von Supplementen.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Folsäure (Vitamin B9) ist wichtig für Zellteilung, Blutbildung und Schwangerschaft
- Normalwerte liegen bei 5 bis 20 ng/ml, als Grenzwert gelten etwa 3 ng/ml im Serum
- Mangel: einseitige Ernährung, Alkohol, bestimmte Medikamente, Malabsorption
- Symptome: Müdigkeit, Anämie, Kurzatmigkeit, Konzentrationsstörungen
- In der Schwangerschaft ist Folsäure besonders wichtig zur Vorbeugung von Fehlbildungen
- Erhöhte Werte sind selten und sollten ärztlich abgeklärt werden
Häufige Fragen
Ich plane eine Schwangerschaft. Soll ich Folsäure nehmen?
Ja. Frauen, die schwanger werden möchten, wird empfohlen, bereits vier Wochen vor der Empfängnis und mindestens bis zum Ende des ersten Schwangerschaftsdrittels täglich 400 Mikrogramm Folsäure zusätzlich zur Ernährung einzunehmen. Das reduziert das Risiko für Neuralrohrdefekte beim Baby erheblich. Sprich mit deinem Frauenarzt über die für dich richtige Dosierung.
Kann ich meinen Folsäure-Wert durch Ernährung in den Normalbereich bringen?
Bei einem leichten Mangel kann eine folsäurereiche Ernährung helfen, die Werte zu verbessern. Gute Quellen sind Blattgemüse, Hülsenfrüchte, Vollkornprodukte und Eier. Allerdings kann bei einem ausgeprägten Mangel oder bei erhöhtem Bedarf eine Supplementierung notwendig sein. Besprich dies mit deinem Arzt.
Ich nehme die Pille. Muss ich auf meine Folsäure achten?
Bestimmte Verhütungsmittel können den Folsäurestoffwechsel beeinflussen. Wenn du die Pille nimmst und sie irgendwann absetzen möchtest, um schwanger zu werden, kann ein Folsäuremangel die Gesundheit des Babys beeinträchtigen. Sprich mit deinem Frauenarzt darüber, ob eine Kontrolle deines Folsäurewerts und eine eventuelle Supplementierung sinnvoll ist.
Was ist der Unterschied zwischen Folsäure und Folat?
Folat ist die natürliche Form von Vitamin B9, die in Lebensmitteln vorkommt. Folsäure ist die synthetisch hergestellte Form, die in Nahrungsergänzungsmitteln und angereicherten Lebensmitteln verwendet wird. Der Körper kann Folat aus der Nahrung besser verwerten als künstliche Folsäure aus Supplementen. Dennoch wird Folsäure in der Medizin bevorzugt verwendet, da sie stabiler ist.
Kann ein Folsäuremangel psychische Symptome verursachen?
Ja. Ein Folsäuremangel kann zu Depressionen, Angstzuständen, Reizbarkeit und Konzentrationsproblemen führen. Folsäure ist an der Produktion von Botenstoffen im Gehirn beteiligt, darunter Serotonin und Dopamin. Diese Symptome bilden sich oft zurück, wenn der Mangel behoben wird.