Laborwerte

Nierenwerte: Kreatinin, GFR und Harnstoff einfach erklärt

Dein Arzt hat deine Nierenwerte bestimmt und du fragst dich, was Kreatinin, GFR und Harnstoff bedeuten? Hier erfährst du, wie deine Nieren arbeiten, welche Werte wichtig sind und was passiert, wenn die Nieren nicht mehr richtig funktionieren.

Deine Nieren sind zwei bohnenförmige Organe, die links und rechts neben der Wirbelsäule sitzen. Jede Niere ist etwa so groß wie eine Faust. Und obwohl sie relativ klein sind, leisten sie Unglaubliches: Sie filtern jeden Tag etwa 180 Liter Blut und sorgen dafür, dass dein Körper im Gleichgewicht bleibt.

Die Nieren arbeiten still und leise. Solange sie funktionieren, merkst du nichts von ihnen. Erst wenn sie in ihrer Funktion nachlassen, zeigen sich Symptome. Und genau deshalb sind die Nierenwerte im Blut so wichtig: Sie zeigen, wie gut die Nieren noch arbeiten, bevor größere Probleme entstehen.

Was machen die Nieren?

Die Nieren haben mehrere lebenswichtige Aufgaben:

  • Blutfiltration: Sie reinigen das Blut von Abfallprodukten und Giftstoffen
  • Wasserhaushalt: Sie regulieren den Flüssigkeitshaushalt im Körper
  • Elektrolythaushalt: Sie sorgen für das richtige Gleichgewicht von Natrium, Kalium, Kalzium und anderen Mineralstoffen
  • Blutdruck: Sie regulieren den Blutdruck über das Renin-Angiotensin-System
  • Säure-Basen-Haushalt: Sie halten den pH-Wert des Blutes stabil
  • Hormone: Sie produzieren Hormone, die die Blutbildung (Erythropoetin) und den Knochenstoffwechsel (aktives Vitamin D) steuern

Die wichtigsten Nierenwerte

Kreatinin

Kreatinin ist ein Abbauprodukt des Muskelstoffwechsels. Es entsteht, wenn Kreatinphosphate in den Muskeln abgebaut werden. Weil Kreatinin nur über die Nieren ausgeschieden wird, ist die Kreatininmenge im Blut ein Hinweis darauf, wie gut die Nieren filtern.

Wenn die Nierenfunktion nachlässt, steigt der Kreatininwert im Blut an. Allerdings ist der Kreatininwert allein nicht perfekt, weil er von der Muskelmasse abhängt. Ein muskulöser Mensch hat auch bei gesunden Nieren ein etwas höheres Kreatinin als jemand mit wenig Muskelmasse.

Die GFR: Der Goldstandard

Die GFR (glomeruläre Filtrationsrate) ist der wichtigste Wert, um die Nierenfunktion zu beurteilen. Sie gibt an, wie viele Milliliter Blut die Nieren pro Minute filtern. Eine GFR von 90 ml/min bedeutet, dass die Nieren 90 Milliliter pro Minute reinigen.

Die GFR wird aus dem Kreatininwert zusammen mit dem Alter, dem Geschlecht und manchmal der ethnischen Zugehörigkeit berechnet. Sie ist genauer als das Kreatinin allein, weil sie diese individuellen Faktoren mit einbezieht.

GFR (ml/min) Stadium Beschreibung
90 oder höher G1 Normale Nierenfunktion
60 - 89 G2 Leicht eingeschränkt
45 - 59 G3a Leicht bis mittel eingeschränkt
30 - 44 G3b Mittel bis schwer eingeschränkt
15 - 29 G4 Schwer eingeschränkt
Unter 15 G5 Nierenversagen

Die GFR-Stadien der chronischen Nierenerkrankung (CKD). Stadium G3 oder höher gilt als Nierenerkrankung.

Harnstoff (BUN)

Harnstoff ist ein Abbauprodukt des Eiweißstoffwechsels. Er entsteht in der Leber und wird über die Nieren ausgeschieden. Ein hoher Harnstoffwert kann auf eine eingeschränkte Nierenfunktion hinweisen, aber auch andere Ursachen haben: starke Flüssigkeitsmangel, hoher Eiweißkonsum oder erhöhter Eiweißabbau im Körper.

Harnstoff wird oft zusammen mit Kreatinin gemessen, um die Nierenfunktion besser beurteilen zu können.

Wert Normalbereich
Kreatinin (Frauen) 0,5 - 1,1 mg/dl (44 - 97 µmol/l)
Kreatinin (Männer) 0,7 - 1,3 mg/dl (62 - 115 µmol/l)
GFR Über 90 ml/min (altersabhängig)
Harnstoff (BUN) 10 - 50 mg/dl (3,6 - 18 mmol/l)

Richtwerte für Erwachsene. Die genauen Grenzen variieren je nach Labor. Orientiere dich an den Werten auf deinem eigenen Befund.

Wann werden Nierenwerte bestimmt?

Dein Arzt ordnet eine Bestimmung der Nierenwerte in folgenden Situationen an:

  • Im Rahmen des Check-up 35 alle drei Jahre
  • Bei Bluthochdruck oder Herzerkrankungen
  • Bei Diabetes (Zuckerkrankheit)
  • Bei der Einnahme von Medikamenten, die die Nieren belasten können (Schmerzmittel wie Ibuprofen, Blutdrucksenker, manche Antibiotika)
  • Bei familiärer Vorbelastung für Nierenerkrankungen
  • Bei Beschwerden wie Wassereinlagerungen, Schwellungen oder Veränderungen beim Wasserlassen
  • Vor und während einer Kontrastmitteluntersuchung (CT, MRT)

Was ist eine chronische Nierenerkrankung?

Von einer chronischen Nierenerkrankung (CKD, Chronic Kidney Disease) spricht man, wenn die Nierenfunktion über mindestens drei Monate hinweg eingeschränkt ist. In Deutschland sind etwa 5 bis 10 Prozent der Erwachsenen betroffen, viele wissen nichts davon.

Die häufigsten Ursachen sind:

  • Diabetes: Die Zuckerkrankheit schädigt die feinen Blutgefäße in den Nieren
  • Bluthochdruck: Dauerhaft erhöhter Druck schädigt die Nierengefäße
  • Glomerulonephritis: Entzündung der Nierenkörperchen
  • Polyzystische Nierenerkrankung: Erbliche Erkrankung mit Zysten in den Nieren
  • Medikamente: Langzeitgebrauch von Schmerzmitteln oder anderen nierenschädigenden Medikamenten

Symptome einer Nierenerkrankung

Das Tückische an Nierenerkrankungen: Sie verursachen lange Zeit keine Beschwerden. Wenn Symptome auftreten, ist die Nierenfunktion oft schon deutlich eingeschränkt. Warnzeichen können sein:

  • Schwellungen (Ödeme) an den Beinen, Knöcheln oder im Gesicht
  • Veränderungen beim Wasserlassen (mehr oder weniger Urin, Schaum im Urin, Blut im Urin)
  • Müdigkeit und Abgeschlagenheit
  • Juckreiz
  • Übelkeit und Appetitlosigkeit
  • Kurzatmigkeit (durch Flüssigkeitsansammlung in der Lunge)
  • Schmerzen im Bereich der Nieren (flankenschmerzen)
⚠️

Wichtig: Wenn du Wassereinlagerungen bemerkst, Blut im Urin siehst oder Schmerzen im Nierenbereich hast, suche zeitnah einen Arzt auf. Das können Zeichen einer akuten Nierenproblematik sein.

Wie kann ich meine Nieren schützen?

Du kannst einiges tun, um deine Nieren gesund zu halten:

1. Ausreichend trinken

Deine Nieren brauchen Wasser, um Giftstoffe aus dem Körper zu spülen. Trinke etwa 1,5 bis 2 Liter pro Tag, es sei denn, dein Arzt hat dir andere Mengen empfohlen. Bei Hitze oder sportlicher Aktivität brauchst du mehr.

2. Blutdruck im Griff haben

Bluthochdruck ist einer der häufigsten Ursachen für Nierenschäden. Wenn dein Blutdruck erhöht ist, lass ihn behandeln und kontrolliere ihn regelmäßig.

3. Blutzucker kontrollieren

Diabetes ist ein Hauptrisikofaktor für Nierenerkrankungen. Wenn du Diabetes hast, halte deinen Blutzucker gut einstellt und lass regelmäßig die Nierenwerte kontrollieren.

4. Achtung bei Schmerzmitteln

Schmerzmittel wie Ibuprofen, Naproxen oder Diclofenac können bei regelmäßiger Einnahme die Nieren schädigen. Nimm sie nicht dauerhaft ohne ärztliche Rücksprache.

5. Ausgewogene Ernährung

Eine kochsalzarme, ausgewogene Ernährung entlastet die Nieren. Wenn die Nierenfunktion bereits eingeschränkt ist, kann eine spezielle Diät (Eiweiß- und kaliumarme Ernährung) sinnvoll sein. Besprich das mit deinem Arzt.

6. Nicht rauchen

Rauchen schädigt die Blutgefäße, auch die in den Nieren. Raucher haben ein deutlich höheres Risiko für Nierenerkrankungen.

💡

Tipp: Wenn du zu den Risikogruppen gehörst (Diabetes, Bluthochdruck, familiäre Vorbelastung), solltest du einmal im Jahr deine Nierenwerte kontrollieren lassen. Das ist eine einfache Maßnahme, die Nierenschäden frühzeitig erkennen kann, bevor sie problematisch werden.

Was passiert, wenn die Nieren versagen?

Wenn die Nierenfunktion unter etwa 10 bis 15 Prozent fällt, spricht man von Nierenversagen oder terminaler Niereninsuffizienz. Dann können die Nieren den Körper nicht mehr ausreichend entgiften. In diesem Stadium sind zwei Therapieformen möglich:

  • Dialyse (Blutwäsche): Eine Maschine übernimmt die Filtration des Blutes. Betroffene müssen mehrmals pro Woche zur Dialyse, jeder Termin dauert mehrere Stunden.
  • Nierentransplantation: Eine gesunde Niere eines Spenders ersetzt die eigene Niere. Das ist die beste langfristige Lösung, aber nicht für jeden Patienten möglich.

FAQ: Häufige Fragen zu Nierenwerten

Mein Kreatinin ist leicht erhöht. Heißt das, meine Nieren funktionieren nicht richtig?

Ein leicht erhöhtes Kreatinin bedeutet nicht automatisch eine Nierenerkrankung. Kreatinin schwankt auch durch Muskelmasse, Ernährung (viel Fleisch), Medikamente und andere Faktoren. Dein Arzt wird die GFR berechnen und die Werte im Verlauf kontrollieren. Eine einmalige leichte Erhöhung ist noch kein Grund zur Sorge.

Ich habe Schmerzen im Bereich der Nieren. Soll ich mir Sorgen machen?

Schmerzen in der Nierengegend (Flankenschmerzen) können viele Ursachen haben, zum Beispiel eine Blasenentzündung, Nierensteine oder eine Nierenbeckenentzündung. Wenn die Schmerzen stark sind, von Fieber begleitet werden oder Blut im Urin auftreten, suche zeitnah einen Arzt auf.

Kann ich meine Nieren durch Tee oder bestimmte Lebensmittel unterstützen?

Für gesunde Menschen ist eine ausgewogene Ernährung mit viel Wasser das Beste für die Nieren. Specific Nierentees oder Nierenpräparate aus der Drogerie sind nicht nötig und können bei bestehender Nierenerkrankung sogar schädlich sein. Wenn du Nierenprobleme hast, besprich die Ernährung mit deinem Arzt.

Ich nehme Ibuprofen gegen Schmerzen. Ist das schlecht für meine Nieren?

Gelegentliche Einnahme von Ibuprofen ist für gesunde Menschen in der Regel unproblematisch. Bei regelmäßiger, dauerhafter Einnahme (über Wochen oder Monate) können NS-Schmerzmittel wie Ibuprofen die Nieren jedoch dauerhaft schädigen. Wenn du regelmäßig Schmerzmittel brauchst, besprich das mit deinem Arzt.

Was ist der Unterschied zwischen akutem und chronischem Nierenversagen?

Akutes Nierenversagen tritt plötzlich auf, innerhalb von Stunden oder Tagen. Es kann durch Flüssigkeitsmangel, Medikamente, Infektionen oder plötzliche Durchblutungsstörungen verursacht werden. Oft ist es reversible, wenn die Ursache rechtzeitig behandelt wird. Chronisches Nierenversagen entwickelt sich über Monate oder Jahre und ist in der Regel nicht mehr umkehrbar.

Mein Harnstoff ist erhöht. Muss ich weniger Eiweiß essen?

Ein erhöhter Harnstoff kann verschiedene Ursachen haben, nicht nur zu viel Eiweiß in der Ernährung. Auch Flüssigkeitsmangel, erhöhter Eiweißabbau (zum Beispiel bei Fieber oder nach Operationen) oder eine beginnende Nierenerkrankung können den Harnstoff erhöhen. Deshalb sollte die Ursache ärztlich abgeklärt werden, bevor du etwas an deiner Ernährung änderst.

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Hinweis: Dieser Artikel dient der Information und ersetzt nicht die Beratung durch einen Arzt. Wenn du Fragen zu deinen Nierenwerten hast, wende dich an deinen Arzt.

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