Schilddrüsenunterfunktion kurz erklärt: Bei einer Hypothyreose produziert die Schilddrüse zu wenig Hormone. Das kann sich durch Müdigkeit, Kälteempfindlichkeit, Gewichtszunahme, Verstopfung und trockene Haut bemerkbar machen. Die häufigste Ursache ist Hashimoto-Thyreoiditis, eine Autoimmunerkrankung. Die Behandlung erfolgt in der Regel mit dem Schilddrüsenhormon Levothyroxin als Tablette.
Was ist die Schilddrüse und was macht sie?
Die Schilddrüse ist ein kleines, schmetterlingsförmiges Organ, das am Hals unter dem Kehlkopf liegt. Sie wiegt bei Erwachsenen etwa 20 bis 30 Gramm und ist ein wichtiger Teil deines Hormonsystems. Die Schilddrüse produziert die Hormone T4 (Thyroxin) und T3 (Trijodthyronin), die nahezu jeden Stoffwechselprozess in deinem Körper beeinflussen.
Diese Schilddrüsenhormone steuern unter anderem deinen Energiestoffwechsel, deine Körpertemperatur, dein Herzkreislaufsystem und die Funktion deiner Organe. Sie sind auch wichtig für die Entwicklung des Gehirns und des Nervensystems. Die Produktion der Schilddrüsenhormone wird wiederum von einem anderen Hormon gesteuert, dem TSH (Thyreoidea-stimulierendes Hormon), das aus der Hirnanhangdrüse ausgeschüttet wird.
Wenn die Schilddrüse zu wenig Hormone produziert, spricht man von einer Schilddrüsenunterfunktion oder Hypothyreose. Der TSH-Wert im Blut steigt dann an, weil die Hirnanhangdrüse versucht, die Schilddrüse stärker anzutreiben. Deshalb ist TSH der empfindlichste Marker für eine Schilddrüsenunterfunktion.
Der TSH-Wert als Schlüsselwert: TSH steht für Thyreoidea-stimulierendes Hormon und wird in der Hirnanhangdrüse gebildet. Wenn die Schilddrüse zu wenig Hormone produziert, schüttet die Hirnanhangdrüse mehr TSH aus, um die Schilddrüse anzutreiben. Ein TSH-Wert über 4,0 mIU/l gilt als Hinweis auf eine Schilddrüsenunterfunktion. Bei einem TSH-Wert zwischen 2,5 und 4,0 spricht man manchmal von einer subklinischen Hypothyreose, die beobachtet werden sollte.
Symptome einer Schilddrüsenunterfunktion
Eine Schilddrüsenunterfunktion entwickelt sich meist schleichend. Die Symptome sind oft unspezifisch und werden lange nicht mit der Schilddrüse in Verbindung gebracht. Typische Beschwerden sind:
- Müdigkeit und Erschöpfung: Du fühlst dich ständig müde und abgeschlagen, selbst nach ausreichend Schlaf.
- Kälteempfindlichkeit: Du frierst schnell und hast ständig kalte Hände und Füße.
- Gewichtszunahme: Trotz normaler Ernährung nimmst du an Gewicht zu oder hast Schwierigkeiten, Gewicht zu verlieren.
- Verstopfung: Die Darmtätigkeit ist verlangsamt.
- Trockene Haut und brüchige Haare: Haut und Haare werden trocken, spröde und glanzlos.
- Depression und Stimmungstiefs: Antriebslosigkeit, gedrückte Stimmung und Konzentrationsschwierigkeiten.
- Verlangsamter Herzschlag: Der Puls kann verlangsamt sein.
- Heisere Stimme: Die Stimme kann rau und heiser werden.
- Muskelschwäche und Gelenkschmerzen: Muskeln und Gelenke können schmerzen.
- Erhöhter Cholesterinspiegel: Der LDL-Cholesterinwert im Blut kann ansteigen.
Ursachen einer Schilddrüsenunterfunktion
Es gibt verschiedene Ursachen für eine Schilddrüsenunterfunktion:
Hashimoto-Thyreoiditis: Dies ist die mit Abstand häufigste Ursache einer Schilddrüsenunterfunktion in Ländern mit ausreichender Jodversorgung. Bei dieser Autoimmunerkrankung greift dein Immunsystem irrtümlicherweise die Schilddrüse an und zerstört das Gewebe nach und nach. Dadurch kann die Schilddrüse immer weniger Hormone produzieren. Hashimoto verläuft oft schleichend und wird manchmal erst nach Jahren erkannt.
Jodmangel: In Regionen mit Jodmangel in der Ernährung kann die Schilddrüse nicht genug Hormone bilden, weil Jod ein wichtiger Baustein der Schilddrüsenhormone ist. In Deutschland ist Jodmangel als Ursache heute selten, da Speisesalz und einige Lebensmittel mit Jod angereichert sind.
Operation an der Schilddrüse: Wenn ein Teil oder die gesamte Schilddrüse operativ entfernt wurde, zum Beispiel wegen eines Tumors oder einer Überfunktion, kann eine Unterfunktion die Folge sein.
Radiojodtherapie: Eine Behandlung einer Schilddrüsenüberfunktion mit Radiojod kann als Nebenwirkung zu einer dauerhaften Unterfunktion führen.
Medikamente: Bestimmte Medikamente können die Schilddrüsenfunktion beeinträchtigen, zum Beispiel Lithium (ein Mittel gegen Bipolarstörungen) oder bestimmte Immuntherapien.
Angeborene Hypothyreose: Bei Neugeborenen kann eine Schilddrüsenunterfunktion vorliegen, wenn sich das Organ nicht richtig entwickelt hat. In Deutschland wird bei Neugeborenen routinemäßig ein TSH-Test durchgeführt, um angeborene Hypothyreose frühzeitig zu erkennen.
Hashimoto-Thyreoiditis: Wenn bei dir Hashimoto diagnostiziert wurde, ist das kein Grund zur Panik. Die Erkrankung ist gut behandelbar und die meisten Menschen mit Hashimoto können mit der richtigen Medikation ein völlig normales Leben führen. Allerdings ist Hashimoto eine chronische Erkrankung, die in der Regel lebenslange Behandlung und regelmäßige Kontrollen erfordert.
Wie wird eine Schilddrüsenunterfunktion festgestellt?
Die Diagnose einer Schilddrüsenunterfunktion erfolgt durch eine Blutuntersuchung. Folgende Werte werden bestimmt:
| Parameter | Normalwert | Bei Unterfunktion |
|---|---|---|
| TSH | 0,4 - 4,0 mIU/l | erhöht (über 4,0) |
| freies T4 (fT4) | 0,8 - 1,8 ng/dl | erniedrigt |
| freies T3 (fT3) | 2,0 - 4,4 pg/ml | oft normal oder leicht erniedrigt |
Bei Verdacht auf Hashimoto-Thyreoiditis werden oft auch die sogenannten Schilddrüsen-Antikörper bestimmt: TPO-Antikörper (Antikörper gegen die Schilddrüsenperoxidase) und TG-Antikörper (Antikörper gegen Thyreoglobulin). Bei Hashimoto sind diese Antikörper häufig erhöht.
Behandlung einer Schilddrüsenunterfunktion
Die Behandlung einer Schilddrüsenunterfunktion erfolgt in der Regel mit dem Schilddrüsenhormon Levothyroxin. Das ist ein synthetisch hergestelltes T4-Hormon, das identisch mit dem körpereigenen Hormon ist. Levothyroxin wird als Tablette eingenommen, meist einmal täglich auf nüchternen Magen mit etwas Wasser.
Wichtige Hinweise zur Einnahme: Levothyroxin sollte mindestens 30 Minuten vor dem Frühstück eingenommen werden, da bestimmte Nahrungsmittel und Medikamente die Aufnahme des Hormons im Darm beeinträchtigen können. Besonders wichtig ist, dass du zwischen der Einnahme von Levothyroxin und calciumhaltigen Produkten, Eisenpräparaten oder bestimmten Säureblockern einen Abstand von mindestens 4 Stunden einhältst.
Dosierung und Anpassung: Die richtige Dosis wird individuell ermittelt. Meist beginnt man mit einer niedrigen Dosis und erhöht diese schrittweise. Nach etwa 6 bis 8 Wochen Einnahme sollte eine Blutkontrolle erfolgen, um zu prüfen, ob die Dosis stimmt. Dabei wird der TSH-Wert kontrolliert. Das Ziel ist, den TSH-Wert in den Normalbereich zu bringen und gleichzeitig beschwerdefrei zu sein.
Leben mit einer Schilddrüsenunterfunktion: Mit der richtigen Behandlung können Menschen mit Schilddrüsenunterfunktion ein völlig normales Leben führen. Sport, Ernährung und alle normalen Aktivitäten sind möglich. Regelmäßige Kontrollen beim Arzt und die konsequente Einnahme der Medikamente sind allerdings wichtig.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Bei einer Schilddrüsenunterfunktion produziert die Schilddrüse zu wenig Hormone
- Typische Symptome: Müdigkeit, Kälteempfindlichkeit, Gewichtszunahme, Verstopfung, trockene Haut
- Die häufigste Ursache ist Hashimoto-Thyreoiditis, eine Autoimmunerkrankung
- Die Diagnose erfolgt über den TSH-Wert im Blut
- Die Behandlung erfolgt mit Levothyroxin, einem Schilddrüsenhormon als Tablette
- Mit richtiger Behandlung ist ein völlig normales Leben möglich
Häufige Fragen
Ich habe erhöhtes TSH. Muss ich sofort Medikamente nehmen?
Das hängt von der Höhe des TSH-Wertes und deinen Beschwerden ab. Bei einem leicht erhöhten TSH-Wert zwischen 4 und 10 mIU/l und normalem fT4 spricht man von einer subklinischen Hypothyreose. Hier wird oft zugewartet und nach einigen Monaten kontrolliert. Bei einem TSH-Wert über 10 mIU/l oder eindeutigen Symptomen und niedrigem fT4 wird meist eine Behandlung mit Levothyroxin empfohlen. Dein Arzt wird mit dir die beste Strategie besprechen.
Kann ich Hashimoto-Thyreoiditis durch Ernährung heilen?
Nein, Hashimoto ist eine Autoimmunerkrankung, die nicht geheilt werden kann. Allerdings können eine ausgewogene Ernährung und bestimmte Ernährungsanpassungen dazu beitragen, die Symptome zu lindern und den Krankheitsverlauf günstig zu beeinflussen. Einige Menschen mit Hashimoto berichten von positiven Erfahrungen mit einer glutenfreien Ernährung, aber wissenschaftliche Belege dafür sind begrenzt. Besprich Ernährungsumstellungen immer mit deinem Arzt.
Ich nehme Levothyroxin. Darf ich trotzdem Jodid-Tabletten nehmen?
Bei einer manifesten Schilddrüsenunterfunktion durch Hashimoto ist eine zusätzliche Jodid-Einnahme in der Regel nicht notwendig und manchmal sogar kontraproduktiv, weil Jod die autoimmunen Entzündungsprozesse verstärken kann. Bei einer operierten Schilddrüse oder einer anderen Ursache der Unterfunktion kann Jodid dagegen sinnvoll sein. Halte dich an die Empfehlungen deines Arztes.
Kann eine Schilddrüsenunterfunktion auch ohne Symptome vorkommen?
Ja. Gerade zu Beginn oder bei einer milden Form bemerken viele Betroffene kaum etwas. In diesem Fall spricht man von einer subklinischen Hypothyreose, bei der nur der TSH-Wert erhöht ist, während die Schilddrüsenhormone (fT4 und fT3) noch im normalen Bereich liegen. Auch diese Form sollte beobachtet und gegebenenfalls behandelt werden, da sie auf Dauer das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen erhöhen kann.
Beeinflusst eine Schilddrüsenunterfunktion meine Fruchtbarkeit?
Eine unbehandelte Schilddrüsenunterfunktion kann die Fruchtbarkeit beeinträchtigen und das Risiko für Fehlgeburten erhöhen. Bei Frauen mit Kinderwunsch ist es daher besonders wichtig, die Schilddrüsenfunktion gut einzustellen. Viele Frauen mit gut behandelter Hypothyreose haben keine Probleme, schwanger zu werden und gesunde Kinder zu bekommen. Sprich mit deinem Frauenarzt und deinem Endokrinologen, wenn du einen Kinderwunsch hast.